Alles anständige Leute
Wenn Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni vor den Feierlichkeiten zum Tag der Befreiung das Wort »Antifaschismus« konsequent meidet, führt das alljährlich vor Augen, dass die Ursprünge ihrer Partei, der Fratelli d’Italia, im italienischen Neofaschismus liegen. Die politische Linke des Landes befindet sich deshalb zwar nach wie vor in Alarmbereitschaft, doch paradoxerweise stört das nicht die eklatante historische Bequemlichkeit, in der sich das antifaschistische Italien regelmäßig am 25. April in erster Linie selbst feiert.
An diesem Datum wird an die bewaffneten Aufstände von 1945 erinnert, als das Nationale Befreiungskomitee (Comitato di Liberazione Nazionale, CLN) zum allgemeinen Aufstand aufrief und Partisanen der Resistenza Städte wie Mailand, Turin und Genua von der deutschen Besatzung und ihren noch verbliebenen Mussolini ergebenen Mitstreitern befreiten.
Zwar sind der Mut und die moralische Notwendigkeit dieses bewaffneten Widerstands unbestreitbar, das kollektive Gedenken an den Partisanenkrieg ist in Italien jedoch schon lange zur nationalen Folklore erstarrt. Die Romantisierung des Freiheitskampfs half bequemerweise dabei, eine schonungslose Auseinandersetzung mit italienischen Verbrechen zu umgehen und die frühe Geschichte des Faschismus mitsamt dem Schicksal all jener in den Schatten zu stellen, die Mussolinis Schergen schon in den zwei Jahrzehnten vor Kriegsbeginn zum Opfer gefallen sind.
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