Keine ideologischen Geiseln
Paris. Die Krise, die den Pariser Literaturverlag Éditions Grasset & Fasquelle seit der Entlassung seines langjährigen und angesehenen Leiters Olivier Nora erschüttert, wirft ein Schlaglicht auf die Macht eines Manns in der französischen Verlags- und Medienbranche: die des Milliardärs Vincent Bolloré, der sein Medienimperium vollständig in den Dienst seiner reaktionären Ideologie stellt.
Am 14. April wurde Nora auf ausdrücklichen Wunsch von Bolloré, dem Mehrheitsaktionär der 2023 von ihm übernommenen Louis-Hachette-Gruppe, zu der der Verlag gehört, entlassen. Die genauen Gründe dafür sind unklar. Den Ausschlag dürfte Noras Weigerung gegeben haben, der Bitte Bollorés nachzukommen, ein Buch des rechtskatholischen Autors Nicolas Diat – der in der Leitung des ebenfalls zur Hachette-Gruppe gehörenden Fayard-Verlags tätig ist – in den Verlagskatalog von Grasset aufzunehmen. Diat bringt bei Fayard Bücher von rechtsextremen Politikern wie Philippe de Villiers (Reconquête) und Jordan Bardella (Rassemblement national) heraus und hat zusammen mit Robert Kardinal Sarah, der zum erzkonservativen Lager in der römischen Kurie zählt, mehrere Bücher verfasst.
Die Nachfolge von Nora soll nun Jean-Christophe Thiery übernehmen, der Geschäftsführer von Hachette und ein langjähriger Vertrauter Bollorés.
Vincent Bollorés Medienkonzern verfügt über alle notwendigen Strukturen, um mit großer Reichweite für Bücher von rechtsextremen Autoren zu werben.
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