30.04.2026
Tieren helfen – gerne, aber warum immer nur Walen?

Homestory #18/2026

Auch in der »Jungle World«-Redaktion hat man ein Herz für Tiere. Es kommt aber immer auf die richtige Richtung an.

Dramatische Ereignisse spielen sich ab, während in Ihrer Lieblingszeitung die Hektik der Schlussproduktion herrscht. Bild berichtet im Live-Ticker: »Timmy angeleint +++ Helfer wollen ihn in die richtige Richtung ziehen.«

Das ist sicher besser, als ihn in die falsche Richtung zu ziehen. Dennoch bleibt die Frage, warum aus der versuchten Rettung eines Buckelwals eine wochenlang hochemotional diskutierte Angelegenheit wird. Man kann beim Walexperten Herman Melville nachschauen, der in »Moby-Dick« befindet: »Es gibt keine Torheit der Tiere auf Erden, die nicht unendlich übertroffen würde vom Irrsinn des Menschen.« Vielleicht sind Tiergeschichten, anders als zu den Zeiten, als sie die nachrichtenarme Zeit des Hochsommers überbrückten, heutzutage eine Chance, sich von wirklich schlechten Nachrichten abzulenken.

Eine Umfrage brachte eine Menge rührender Tierrettungsgeschichten zutage.

Sie sollten nun aber nicht denken, Tiere seien uns egal. Nein, nein, eine Umfrage brachte eine Menge rührender Tierrettungsgeschichten zutage. Da wurden »diverse Käfer und schwache Bienchen vom Gehweg in Gebüsche gebracht«, man hat »einem Frosch aus einem Schwimmbadbecken geholfen, der im Abwasserstrudel der Umwälzung gefangen war«.

Auch jenseits des spontanen Eingreifens gab es Hilfsbereitschaft, gleich zwei Kolleginnen haben ein Herz für Kröten: »Als Kind habe ich mich daran beteiligt, Krötenzäune entlang von Autostraßen aufzustellen.« »Ich auch, fand es ganz nett, die Kröten über die Straße zu tragen. Ist auch gar nicht eklig.« Ein Rettungsaktion führte sogar zu einer dauerhaften Bindung: »Eine verstoßene Bauernkatze mit dickem Auge und total schwach, hab die wochenlang aufgepäppelt und sie hat es mir nie vergessen.«

Nicht jede Rettungsaktion war von Erfolg gekrönt. »Ich hab auch mal versucht, ein Vöglein, das aus dem Nest gefallen war, zu retten. Aber es hat es nicht geschafft.« Manchmal bleibt der Ausgang unbekannt. »Mitten in der Nacht kam ein verletzter Biber aus dem Wasser angetapert und hat sich still an den Strand gesetzt. Wir haben sogar eine Biber-Hotline angerufen« – aber der Biber verschwand dann einfach. Unbekannt bleibt auch das Schicksal des vom Nest auf die Terrasse gefallenen Eichhörnchenbabys, das mit Chiasamen gepäppelt wurde.

100 Arabische Buckelwale haben gerade extremen Stress

Eine Hilfsleistung erfolgte unter einem gewissen Druck. Ein »extrem hungriges rotes Riesenkänguru« mit »Oberarmen wie Bowlingkugeln« verschaffte sich eine Mahlzeit, indem es »meinen dünnen Arm festgehalten und mir mit seiner anderen Pranke behäbig das Sandwich aus der Hand genommen« hat.

Sie sehen also, wenn wir nicht so bescheiden wären, hätte es viele Gelegenheiten für Live-Ticker gegeben: »Kröte sanft aufgehoben +++ Jungle-Heldin trägt sie in die richtige Richtung.«

Wenn Sie sich unbedingt über Wale Sorgen machen wollen, können Sie im Übrigen auf die aus anderen Gründen schlagzeilenträchtige Straße von Hormuz schauen. Die etwa 100 dort lebenden Arabischen Buckelwale haben gerade extremen Stress – und es handelt sich um eine vom Aussterben bedrohte Spezies, die nicht im Meer herumzieht, sondern auf dieses Habitat angewiesen ist.