Jungle+ Artikel 30.04.2026
Im Iran wächst die Macht der Revolutionsgarden

Rivalitäten in der Islamischen Republik

Das iranische Regime versucht, sich als gefestigt und geeint darzustellen. Gleichzeitig mehren sich die Anzeichen für wachsende interne Spannungen und rivalisierende Gruppierungen innerhalb des Staatsapparats. Die Zivilbevölkerung sieht sich mit einer Welle von Entlassungen konfrontiert.

Der vorübergehende Waffenstillstand zwischen den Vereinigten Staaten und der Islamischen Republik Iran ist brüchiger denn je. Der Versuch einer erneuten Verhandlungsrunde der Kriegsparteien am Wochenende in Islamabad scheiterte, noch bevor er begonnen hatte. Nachdem sich der iranische Außenminister Abbas Araghchi am Freitag voriger Woche in der pakistanischen Hauptstadt aufgehalten, aber deutlich gemacht hatte, nicht direkt mit den US-Amerikanern verhandeln zu wollen, sagte US-Präsident Donald Trump die Entsendung seiner Gesandten nach Islamabad ab und ließ wissen, die iranische Führung könne anrufen, wenn sie verhandeln wolle.

Eine Einigung ist ohnehin nicht in Sicht. Die Schließung der Straße von Hormuz bleibt das wichtigste geopolitische Druckmittel des Iran. Die Vereinigten Staaten haben darauf mit einer Seeblockade gegen den Iran reagiert, die dessen Fähigkeit zum Seehandel praktisch zum Erliegen gebracht hat – auch jenen Handel, den der Iran über die sogenannte Schattenflotte zur Umgehung von Sanktionen abwickelt. Die US-amerikanischen Seeblockade entfaltet ihre Wirkung zu einer Zeit, in der das Machtgefüge im Iran seine frühere Kohärenz verloren hat und weitgehend zersplittert ist.

Analysten zufolge könnte Iran seine Ölproduktion unter einer vollständigen Blockade nur wenige Wochen bis maximal etwa zwei Monate aufrechterhalten.

Durch die Tötung des Obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei am ersten Tag des Kriegs hat sich der Wandel der Machtstruktur im Iran, der bereits nach dem Zwölftagekrieg im Juni vergangenen Jahres eingesetzt hatte, rasant beschleunigt: weg von einer pyramidenförmig organisierten, auf Khameneis Autorität zentrierten Ordnung hin zu einer fragmentierten, stark von unterschiedlichen Personen aus den Repressionsapparaten und den Revolutionsgarden dominierten Struktur, in der sich die eigentlichen Entscheidungsträger von außen kaum noch ausmachen lassen

Noch kein Abonnement?

Um diesen Inhalt zu lesen, wird ein Online-Abo benötigt::