Ewig strahlt das Uran
Am 26. April 1986 passierte im nordukrainischen Tschernobyl, was derart unwahrscheinlich sein sollte, dass die Befürworter der Atomkraft es als »Restrisiko« abtaten: der Super-GAU in einem Atomkraftwerk, also ein Unfall, der über den »größten anzunehmenden« noch hinausgeht und von den Sicherheitsvorkehrungen nicht mehr beherrscht werden kann, ein Unfall, bei dem es zur Kernschmelze kommt und riesige Mengen an Radioaktivität freigesetzt werden.
Als diese über große Teile Europas hinwegzog und Gewässer und Böden kontaminierte, als Spielplätze gesperrt und Kühe in den Stall getrieben wurden, begann in Deutschland das große Umdenken in der Energiepolitik. Neue Reaktoren wurden nicht mehr beantragt, das umkämpfte Atomkraftwerk Brokdorf allerdings ging im selben Jahr noch in Betrieb. Noch 25 Jahre brauchte es, bis das Gezerre um die Atomkraft ein Ende fand. Eine weitere Atomkatastrophe, die im März 2011 in Fukushima, gab für Kanzlerin Angela Merkel (CDU) den Ausschlag, das Ende der Nutzung von Atomkraft in Deutschland zu verkünden – wahrscheinlich in der Hoffnung, die Landtagswahl in Baden-Württemberg zu gewinnen, was dann allerdings doch den Grünen gelang.
In einer repräsentativen Umfrage in Deutschland stimmten im März 59 Prozent der Befragten der Einschätzung Ursula von der Leyens zu, der Atomausstieg sei ein Fehler gewesen.
Sukzessive gingen die Meiler vom Netz und am 15. April 2023 war Schluss. An den letzten drei AKW – Isar 2, Neckarwestheim und Lingen – feierte die Antiatombewegung aus diesem Anlass Feste. Mit Fug und Recht kann man sagen, die Zivilgesellschaft hat die Atomkraft in Deutschland abgeschaltet, auch wenn der Ausstieg wegen der Energiekrise infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine bald wieder heftig diskutiert wurde.
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