Jungle+ Artikel 30.04.2026
Der Rassemblement national biedert sich Unternehmern an

Man trifft sich, man versteht sich

Im Rassemblement national scheint der Wunsch zu wachsen, mit Jordan Bardella statt Marine Le Pen in die Präsidentenwahl zu gehen. Der junge Parteivorsitzende umwirbt mit einem wirtschaftsliberalen Kurs die französischen Großunternehmer.

Zwei Daten in diesem Jahr dürften sich für den Kurs der Rechtsextremen in Frankreich als bedeutsam herausstellen. Das eine ist der 7. Juli: An diesem Tag soll das Urteil des Pariser Berufungsgerichtshof im Verfahren gegen Marine Le Pen und 25 andere Personen wegen der Veruntreuung von Finanzmitteln des Europaparlaments verkündet werden. Nicht zuletzt davon wird abhängen, wer im kommenden Frühjahr für den rechtsextreme Rassemblement national (RN) die Präsidentschaftskandidatur übernehmen wird.

Bestätigt das Gericht das erstinstanzliche Urteil, das Le Pen das passive Wahlrecht entzogen hatte, dann ist damit klar: Sie darf nicht antreten. Wird hingegen ihr passives Wahlrecht wiederhergestellt, was als unwahrscheinlich gilt, oder wird die bislang vierjährige Dauer seines Entzugs im Berufungsurteil so stark reduziert, dass sie im April 2027 antreten kann, wird sie die Kandidatur übernehmen wollen.

Vergangene Woche wurde der RN-Vorsitzende Jordan Bardella beim größten Unternehmerverband Frankreichs so selbstverständlich empfangen, als führte er keine rechtsextreme Partei an.

Die Position des 30jährigen RN-Vorsitzenden Jean Bardella lautet bisher, zumindest offiziell, dass er ihr dann in jedem Fall den Vortritt überlassen werde. Das jedoch stellt ein immer größer werdender Teil der Parteibasis in Frage.

Die Pariser Abendzeitung Le Monde berichtete kürzlich von für sich sprechenden Reaktionen bei einer ­gemeinsamen Großveranstaltung der beiden führenden Figuren des RN Mitte März, in der Woche zwischen den ­beiden Wahlgängen der französischen Kommunalwahlen. In Châlons-en-Champagne hätten Teile des Publikums »Jordan, Präsident!« gerufen und die Nationalhymne während seiner Rede angestimmt; beim Beitrag Le Pens ­jedoch war nichts dergleichen zu vernehmen.

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