07.05.2026
Lichtverschmutzung nimmt zu

Die dunkle Seite des Lichts

Schmerzlich ist der Verlust des Nachthimmels: Wer in einer Großstadt oder deren Umland lebt, hat möglicherweise nie auch nur das Band der Milchstraße gesehen, ­geschweige denn einen so spektakulären Sternenhimmel, wie er fernab der Ballungszentren zu beobachten ist.

»Mehr Licht«, sollen Goethes letzte Worte gelautet haben. Weithin erfüllte sich der Wunsch des dichtenden Naturforschers allerdings erst einige Jahrzehnte später mit der Erfindung der Gas- und später der elektrischen Beleuchtung.

Die Schattenseiten des künstlichen Lichts rücken erst in jüngerer Zeit ins Bewusstsein. So warnen Chronobiolog:innen vor seinen Auswirkungen auf die innere Uhr und daraus resultierenden Schlaf­störungen.

Die Schattenseiten des künstlichen Lichts rücken erst in jüngerer Zeit ins Bewusstsein. So warnen Chronobiolog:innen vor seinen Auswirkungen auf die innere Uhr und daraus resultierenden Schlaf­störungen, die wiederum für zahlreiche gesundheitliche Probleme von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zu einem erhöhten Krebsrisiko verantwortlich gemacht werden.

Nicht unmittelbar schädlich, aber schmerzlich ist der Verlust des Nachthimmels. Wer in einer Großstadt oder deren Umland lebt, hat möglicherweise nie auch nur das Band der Milchstraße gesehen, ­geschweige denn einen so spektakulären Sternenhimmel, wie er fernab der Ballungszentren zu beobachten ist. Inzwischen werben abgelegene Regionen wie der sogenannte Sternenpark Westhavelland in Brandenburg sogar explizit mit einem ungetrübten Blick ins Universum.

Auch Flora und Fauna leiden unter der Lichtverschmutzung: So wird etwa der Wachstumszyklus von Pflanzen gestört, Zugvögel verlieren die Orientierung und nachtaktive Insekten verenden erschöpft an Straßenlaternen oder werden zur leichten Beute.

Weltweiter Verlust  der Nacht

Den weltweiten Verlust der Nacht haben kürzlich Forschende aus Deutschland und den USA anhand von Satellitendaten aus den Jahren 2014 bis 2022 untersucht. Demnach nahm die nächtliche Aufhellung in dieser Zeit global um 16 Prozent zu, allerdings ist die Entwicklung regional sehr unterschiedlich. »In den Gebieten, in denen eine Aufhellung zu beobachten ist, stiegen die Emissionen um 34 Prozent. Dies wurde durch einen Rückgang der Emissionen um 18 Prozent in anderen Gebieten ausgeglichen«, so die Arbeitsgruppe.

Heller wurden insbesondere China und Indien, während die Beleuchtungs­intensität beispielsweise in Europa leicht abnahm: über­wiegend gewollt, weil Straßen­laternen vielerorts auf LEDs umgerüstet oder spätnachts ganz abgeschaltet ­werden, in der Ukraine aber auch schlicht kriegs­bedingt.

Übrigens lässt sich auch privat einiges gegen die Lichtverschmutzung unternehmen, denn über­flüssige Haus- und Gartenbeleuchtung trägt nicht unerheblich zu dem Problem bei. In jeder Hinsicht Unfug ist hingegen die sogenannte Earth Hour, zu der einmal jährlich im März für eine Stunde die Beleuchtung öffentlicher Gebäude abgeschaltet wird. Aber immerhin ein schönes Symbol dafür, auf welche naheliegende Maßnahmen zum Energiesparen und Umweltschutz aus purer Bräsigkeit verzichtet wird.