Ein bisschen Boykott
»Bring mich nach Hause und lass die Welt zurück / Und ich verspreche dir: nie wieder / Noch immer bin ich nass vom Oktoberregen« – diese Zeilen klingen, auch wenn man das englischsprachige Original heranzieht, wie Popsongs gerne einmal klingen: ein bisschen ungelenk. Seine inhaltliche Banalität unterscheidet den Songtext von »October Rain« der israelischen Sängerin Eden Golan freilich nicht von den meisten anderen Beiträgen zum Eurovision Song Contest. 2024, als Golan beim ESC im schwedischen Malmö antrat, entschied die Europäische Rundfunkunion (European Broadcasting Union, EBU) trotzdem, dass jene Zeilen und bereits der Titel von »October Rain« gegen die internen Regeln verstoßen: Der Text sei zu politisch.
Dass Songtexte zurückgewiesen werden, ist beim ESC nicht ungewöhnlich. Seit 70 Jahren bemüht sich der Gesangswettbewerb, die Musik ins Zentrum zu stellen, allerdings nur in ihrem unterhaltenden Charakter. Politische Inhalte hingegen sind unerwünscht. Gleichwohl fördert ein Wettbewerb, dessen Grundlage immer noch die Konkurrenz zwischen Nationen ist, wenig überraschend immer wieder politische Themen zutage.
Noch im Dezember gab Nemo aus der Schweiz seine 2024 gewonnene Trophäe zurück, weil »der Wettbewerb wiederholt dazu benutzt« worden sei, das »Image eines Staates aufzubessern, dem schweres Fehlverhalten vorgeworfen wird«.
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