Out of the Box
»If you want to buy my wares / Follow me and climb the stairs« – auch bezahlter Sex, wie ihn Cole Porter in seinem Jazz-Standard »Love for Sale« besingt, ist Arbeit. Und zwar ehrliche Arbeit, wie die Ausstellungsmacher:innen in der Bonner Bundeskunsthalle das Publikum wissen lassen. Der Schriftzug »Sex Work Is Honest Work« prangt auf einer Wand gleich am Eingang.
Mit dem tradierten Bild von Sexarbeitenden wolle die Schau aufräumen, führt Kuratorin Johanna Adam im Gespräch aus. Den Begriff der Prostituierten lehnt sie als »abschließend« und »identitätsstiftend« ab. Die Schau, die in Kooperation mit dem Sexarbeitendenkollektiv »Objects of Desire« entstanden ist, will dagegen »einen offenen Debattenraum« etablieren. »Nicht ohne uns über uns« lautet der Untertitel, der deutlich machen will, dass hier diejenigen zu Wort kommen, über die sonst gesprochen wird. Damit knüpft man an die 2004 im Schwulen Museum in Berlin gezeigte Schau »Objects of Desire« an.
Sexarbeit wird historisch als eine der wenigen Möglichkeiten für Frauen eingeordnet, eigenes Einkommen zu erzielen.
Anhand kunsthistorischer Arbeiten wird die Kulturgeschichte des Sexkaufs von der Antike bis in die Gegenwart gezeigt. Die Auswahl der rund 800 Exponate folgt dabei einer Pro-Sexwork-Perspektive. In der Kunstgeschichte sind die Hetären, Kurtisanen, Dirnen oder Tänzerinnen in einschlägigen Etablissements zwar bestens repräsentiert, ihre schöpferische Rolle wird aber zu selten gewürdigt. Kunsthistorische Motive werden daher hinterfragt, zum Beispiel der »Topos des Lustmords«, der mit einem Gemälde von Heinrich Maria Davringhausen aufgegriffen wird. Bei dem Thema werde »etwas mystifiziert, was ein geschlechtsspezifisches Gewaltverbrechen ist«, erklärt Adam.
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