Jungle+ Artikel 21.05.2026
»Der Bund«, die jüdische Arbeiterpartei, wird von der US-Autorin Molly Crabapple neu entdeckt

Jüdisch und militant

Die US-amerikanische Künstlerin und Autorin Molly Crabapple hat ein politisches und persönliches Buch über den Jüdischen Arbeiterbund geschrieben. Sie sieht diesen als Vorbild für ihren Antizionismus, doch zeigt ihr Buch auch, dass die Geschichte des Bunds widersprüchlicher und komplizierter ist.

Der Allgemeine Jüdische Arbeiterbund, kurz: Bund, führte in der öffentlichen Erinnerung und in der Forschung lange Zeit ein Schattendasein. In Polen, wo er als Partei und Bewegung in der Zwischenkriegszeit seine Blüte erlebte, hatte man ihn weitgehend vergessen. In Israel dagegen wurde er zugunsten einer eher zionistischen Geschichtsschreibung oftmals als naiver Irrweg dargestellt und in die Fußnoten verbannt. Der Bund – von den Bolschewiki nach deren Machtergreifung zur Selbstauflösung gezwungen und durch die Vernichtung der osteuropäischen Jüdinnen und Juden im Holocaust fast nahezu zerstört – galt vielen als Verlierer der Geschichte.

Seit einigen Jahren jedoch zeichnet sich eine gegenläufige Bewegung ab. In Los Angeles, Berlin und Krakau gibt es heutzutage Gruppen, die sich zumindest im Namen auf den Bund beziehen. Vor allem junge, linke Jüdinnen und Juden aus dem Umfeld des anhaltenden Jiddisch-Revivals scheinen sich wieder auf diese genuin jüdische Form des Sozialismus zu besinnen, und offenbar meinen viele von ihnen auch, in ihm eine Alternative zum Zionismus zu erkennen.

Ziel des Bunds war es, in der russischen und später auch der internationalen Arbeiterbewegung die Interessen jüdischer Arbeiter und Arbeiterinnen zu vertreten.

Eine von ihnen ist die in New York City geborene Künstlerin und Journalistin Molly Crabapple, die für ihre Beschäftigung mit dem Bund sogar Jiddisch lernte. Ihr Motiv ist dabei sowohl politischer als auch persönlicher Natur. Ihr Urgroßvater Samuel Rothbort wurde in Waukawysk im sogenannten Ansiedlungsrayon geboren, also in jenem Gebiet im Westen des Russischen Reichs, außerhalb dessen sich bis Anfang des 20. Jahrhunderts keine Juden niederlassen durften. Später emigrierte er nach New York City, wo er ebenfalls als Künstler arbeitete. Vor allem jedoch war er Bundist.

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