Wurst, Wein und die Miniröcke
»Erinnern Sie sich noch an den ersten Krieg, den man live im TV mitverfolgen konnte? Alle waren wir von einem Fieber befallen, einer wilden Mischung aus Angst und Sensationsgier.« In Safia Al Bagdadis Familienroman »Unser Haus mit Rutsche« (Hanser) erinnert sich die in Paris lebende Protagonistin Layla an die Zeit des Zweiten Golfkriegs und an ihr Aufwachsen in einer unkonventionellen binationalen Familie in Saarbrücken.
Für Layla und ihren Bruder Nouri, Kinder einer Französin aus reichem Hause und eines irakischen Lebenskünstlers, änderte der Golfkrieg alles: Damit begann der Zerfall ihrer einst glücklichen Familie.
Aus dem charmanten Lebenskünstler wird ein religiöser Fanatiker, der plötzlich Wurst, Wein und die Miniröcke seiner Frau verdammt.
Für Layla sind die Eltern ein Traumpaar. Der liebevolle Vater »Babe« hat ständig neue Geschäftsideen, verspricht seinen Kindern das titelgebende Haus mit Rutsche in Bagdad – ein Wunsch, der sich nie erfüllt.
Besonders faszinierend ist die Irak-Reise der Familie in den neunziger Jahren. Doch dann marschiert Saddam Hussein in Kuwait ein und Babes Geschäfte in der Region kommen zum Erliegen.
Während die Mutter jeden Job annimmt, flüchtet sich der ruinierte Vater in den Koran. Aus dem charmanten Lebenskünstler wird ein religiöser Fanatiker, der plötzlich Wurst, Wein und die Miniröcke seiner Frau verdammt. Das Buch erzählt mit leisem Humor von Kinderträumen und dem schmerzhaften Erkenntnisprozess der erwachsenen Frau.
Von Drum and Bass beeinflusster Elektro-Punk mit Dubfahnen
Gerade war der einstige Beastie Boy Mike D in Deutschland unterwegs, um die von ihm mitkuratierte Ausstellung »Mishpocha. The Art of Collaboration« im Jüdischen Museum Frankfurt vorzustellen. Jetzt kommt seine erste Solo-Single »Switch Up« heraus. Der Sound erinnert ein wenig an das, was Mouse On Mars vor vielen Jahren mit Mark E. Smith aufgenommen haben: von Drum and Bass beeinflusster Elektro-Punk mit Dubfahnen.
Apropos: Anfang Juni bringen Mouse On Mars endlich ihr Album mit Lee »Scratch« Perry heraus: »Spatial, No Problem«. Die Stücke lassen sich prima hintereinander in eine Playlist packen – Mike D und Lee Perry ergänzen sich hervorragend in ihrem Freaktum.
Und Mike D kommt sogar Anfang Juni mit seiner neuen Band für eine kleine Showcase-Tour nach Europa. Auf den Videos ihrer ersten Live-Shows sieht man ihn und seine Band wie schon zuletzt David Byrne und seine Tänzerinnen im Blaumann-Dress. Ist das etwa der neue Look der New Yorker Kulturarbeiter:innen?! Als hart schuftende Blue Man Group? Unserem Kanzler tät’s gefallen.