Ein offenes Geheimnis
Konfrontiert mit den Verbrechen, die von Deutschen und im Namen der Deutschen in den Jahren zwischen 1933 und 1945 begangen wurden, fiel in den Jahren nach dem »Zusammenbruch«, wie die Kriegsniederlage des Nationalsozialismus im Volksmund oftmals bezeichnet wurde, die Antwort folgendermaßen aus: »Davon haben wir nichts gewusst.«
Während man sich vergleichsweise gerne an die Erlebnisse des Kriegs erinnerte, das »Reiseunternehmen des kleinen Mannes«, wie es viele Soldaten zynisch in der Feldpost nannten, verdrängte man die Erinnerung an die Verfolgung und Ermordung der deutschen und später der europäischen Juden. Angesichts der Omnipräsenz der antisemitischen Verfolgung und des Wissens über die spätere Vernichtungspolitik ist es erstaunlich, dass sich ein Großteil der deutschen Bevölkerung erfolgreich einreden konnte, von »all dem« nichts gewusst zu haben.
Wie viel inneren Aufwand es die deutsche Nachkriegsgesellschaft gekostet haben muss, stets und ständig zu behaupten, von der Ausplünderung und dem späteren Verschwinden der jüdischen Nachbarn »nichts gewusst« zu haben, darüber gibt nun die Sonderausstellung »Der Holocaust – Was wussten die Deutschen?« in der Berliner »Topographie des Terrors« auf beeindruckende Weise Auskunft.
Der Rundgang durch die Ausstellung zeigt, dass es kaum möglich war, dem Wissen um die Vernichtungspolitik zu entgehen.
Die dort versammelten Artefakte machen deutlich, wie sich das Wissen um das, was später die Shoah genannt wurde, verbreitete und jeden Bereich des deutschen Lebens durchdrang. Der Rundgang zeigt, dass es kaum möglich war, dem Wissen um die Vernichtungspolitik zu entgehen. Die Ausstellung führt nicht chronologisch durch die zwölf Jahre des nationalsozialistischen Deutschland, sondern gliedert sich in drei thematische Bereiche: »Propaganda«, »Hinweise im Alltag« und »Vom Puzzleteil zum Bild«.
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