Jungle+ Artikel 28.05.2026
Litauens Zivilschutz hält nicht Schritt mit der Gefährdung durch Drohnen

Drohnensuche beim Pilzesammeln

In Vilnius und im östlichen Teil von Litauen wurde Luftalarm ausgelöst, nachdem auf dem Radar eine Drohne über litauischem Staatsgebiet geortet worden war. Woher sie kam und wo sie geblieben ist, ist unklar.

Vilnius. Kurz vor Mittag fuhr ein vollbesetzter Bus vom Bahnhof in Vilnius los. Wenige Minuten später ertönten plötzlich unisono aus den Smartphones der Passagiere gedämpfte Sirenengeräusche. Auf ihren Geräten war gerade die Meldung über das Ende des Luftalarms eingegangen, der im östlichen Teil Litauens einschließlich der litauischen Hauptstadt an diesem 20. Mai gegen 10 Uhr morgens ausgelöst worden war.

Ursache war eine Drohne: »Litauen hat in Teilen des Landes Luftalarm ausgelöst, nachdem nahe der Grenze mutmaßlich eine Drohne aus Richtung Belarus gesichtet worden war«, teilte das litauische Verteidigungsministerium auf der Plattform X mit. Außerdem sei die Nato-Luftüberwachung im Baltikum aktiviert worden.

Für Konfusion sorgte, dass anders als bei einem früheren Probealarm die Warnsirenen in Vilnius dieses Mal ruhig blieben. Per Smartphone versendete Warnmeldungen erfolgten in der Vergangenheit gelegentlich auch aus anderen Anlässen, wie Luftverschmutzung oder bei einem Großbrand. Zunächst wurden die Menschen gebeten, Bescheid zu geben, falls sie ein Drohne sehen sollten. Etwas später lautete die Anweisung dann, einen Schutzraum aufzusuchen.

Dass ein Krieg drohen könnte, gehört in Litauen seit Jahren zu den alltäglichen Gesprächsthemen.

Der Flughafenbetrieb wurde komplett eingestellt, der öffentliche Nahverkehr teilweise. Berichten des litauischen Online-Nachrichtenmagazins Delfi zufolge verlief die Evakuierung bei einer Reihe von Schulen in Vilnius chaotisch, einige Lehrer setzten den Unterricht unbeirrt fort. Firmenbelegschaften sahen sich damit konfrontiert, dass es schlicht keine Sicherheitskonzepte gab. »Ich komme in der Tiefgarage an und sehe dort eine Menschenmenge«, erzählte ein Ingenieur der Jungle World. Er war gerade auf dem Weg zur Arbeit.

Noch kein Abonnement?

Um diesen Inhalt zu lesen, wird ein Online-Abo benötigt::