28.05.2026
In Kanada sind zwei Pahlavi-Anhänger wegen Mordes an einem iranischen Exiloppositionellen angeklagt

Königstreue unter Verdacht

In Kanada läuft derzeit ein Prozess im Fall des Todes des iranischen Exiloppositionellen Masood Masjoody. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die tiefen Gräben in der exiliranischen Opposition, denn die beiden Tatverdächtigen stammen aus dem Umfeld von Reza Pahlavi, dem Sohn des letzten Schah.

Als die Leiche des iranisch-kanadischen Exiloppositionellen Masood Masjoody Anfang März in Kanada gefunden wurde, verbreitete sich die Nachricht schnell und weit über die iranische Diaspora hinaus. Kurz darauf erhob die kanadische Polizei Anklage wegen Mordes gegen zwei Personen aus dem Umfeld monarchistischer Exilnetzwerke. Viele schien die politische Einordnung des Falls damit sofort klar: als Eskalation eines immer aggressiveren Konflikts innerhalb der iranischen Opposition im Exil.

Tatsächlich hatte Masjoody monatelang öffentlich vor den beiden Angeklagten gewarnt und behauptet, sie planten, ihn zum Schweigen zu bringen. Einer in dem Fall vorliegenden eidesstattlichen Erklärung einer Heilpraktikerin zufolge sollen die beiden Beschuldigten diese bei einem Treffen in Vancouver darum gebeten haben, eine tödliche Substanz zu besorgen, mit der Masjoody »aus dem Weg geschafft« werden sollte. Kurz nach seinem Verschwinden im Februar kursierten in den sozialen Medien zudem anonyme Drohungen gegen mehrere prominente iranische Exiloppositionelle.

Das US-Magazin The Atlantic beschrieb den Fall deshalb kürzlich als Ausdruck einer autoritären Radikalisierung im Umfeld von Reza Pahlavi, dem ältesten Sohn des 1979 gestürzten Schahs. Vor allem Pahlavis jüngere Berater, darunter der Ökonom Saeed Ghasseminejad, hätten das monarchistische Lager in den vergangenen Jahren immer mehr in eine aggressiv-populistische Bewegung autoritärer Prägung transformiert.

Masood Masjoody hatte monatelang öffentlich vor den beiden Angeklagten gewarnt und behauptet, sie planten, ihn zum Schweigen zu bringen.

Doch der Fall Masjoody ist komplizierter, als er auf den ersten Blick erscheinen mag. Recherchen der New York Times zeichnen ein deutlich differenzierteres Bild von Masjoody und seinem Verhältnis zu den beiden Angeklagten. Demnach standen die drei zunächst in engem Kontakt zueinander und engagierten sich gemeinsam in Kanada gegen das iranische Regime. 2023 kam es aufgrund politischer Differenzen zum Bruch. Zudem wird Masjoody nicht nur als ein von Pahlavi-Anhängern bedrohter Dissident dargestellt, sondern als jemand, der selbst ziemlich aggressiv und paranoid gegen die politische Konkurrenz agierte. Masjoody beschuldigte zahlreiche Personen, Agenten der Islamischen Republik zu sein, und reichte ständig neue Klagen ein, so dass ein Richter ihn bereits wegen mutwilliger Klagen darin beschränkte, was Masjoody jedoch nicht davon abhielt, immer heftigere Anschuldigungen gegen politische Gegner und frühere Verbündete zu veröffentlichen.

Der Fall steht exemplarisch für die iranische Exilopposition, die nie einfach nur eine demokratische Gegenwelt zur Islamischen Republik war. Seit Jahrzehnten ist sie geprägt von internen Spaltungen, ideologischen Fehden, gegenseitigen Vorwürfen, Agent der Mullahs zu sein, und autoritären Führungsansprüchen. Dazu tragen monarchistische Gruppen ebenso bei wie Teile der radikalen Linken, nationalistische Organisationen oder die Volksmujahedin.

Es wäre zwar falsch, die oppositionelle iranische Diaspora auf diese Konflikte zu reduzieren, auch weil das die repu­blikanisch und feministisch gesinnte Exilopposition außer Acht ließe. Gleichwohl zeigen diese Auseinandersetzungen, welche historische und politische Last viele der Exiliraner mit sich tragen und welche Folgen die Repression zeitigt, die das iranische Regime seit Anbeginn gegen Oppositionelle – auch im Ausland – einsetzt. Gerade deshalb prägt die Angst vor Infiltration und Überwachung immer noch viele iranische Exilgemeinden.

Pahlavi-Lager immer autoritärer

In Städten wie Toronto, Vancouver, Los Angeles oder London existieren seit Jahren politische Milieus, in denen Vorwürfe, als Agent zu agieren, Loyalitätskonflikte und gegenseitiges Misstrauen zum Alltag gehören – nicht immer grundlos. Das belegt beispielsweise die Verurteilung zweier unter anderem von einem General der Revolutionsgarden angeheuerter Männer zu je 25 Jahren Haft wegen eines Mordversuchs 2022 in New York City an der oppositionellen iranischen Journalistin Masih Alinejad.

Dennoch ist nicht zu übersehen, dass sich das Pahlavi-Lager in den vergangenen zehn Jahren unter Beratern wie Ghasseminejad deutlich autoritärer entwickelt hat. Diese jüngere Beratergeneration des Schah-Sohns erkannte früh, dass die Erinnerung an die Pahlavi-Zeit innerhalb des Iran wieder an Attraktivität gewann – vor allem unter den Jüngeren, die über keine eigenen Erfahrungen mit der Schah-Diktatur verfügen. Über Medien wie den in London ansässigen Satellitensender Manoto begann man, nostalgische Bilder eines westlich orientierten Iran vor 1979 zu produzieren, während man den Geheimdienst Savak, Folter und politische Verfolgung meist unerwähnt ließ.

Ghasseminejad, der früher vor allem als wirtschaftsliberaler Kritiker der Islamischen Republik auftrat, war es auch, der kürzlich auf X schrieb: »Entweder ihr seid mit Reza Pahlavi oder mit der Islamischen Republik«, und damit die Inszenierung Pahlavis als demokratische Übergangsfigur konterkarierte.

Es sind solche Aussagen, die erklären, weshalb Kritiker dem monarchistischen Lager autoritäre Tendenzen vorwerfen. Das Problem liegt weniger in konkreten monarchistischen Forderungen als in einer Vorgehensweise, die geprägt ist von aggressiver Feindmarkierung, Hetze in den sozialen Medien und der Vorstellung, nur ein einziger Führer könne das Land retten. Die Parallelen zu rechtspopulistischen Bewegungen westlicher Prägung, insbesondere zum Trumpismus, sind kaum zu übersehen.

Ausgerechnet Ahmadinejad

Ausgezahlt hat sich diese ideologische Anverwandlung bisher aber offenbar nicht. Trump sagte Berichten zufolge über Pahlavi, er »scheine sehr nett zu sein«, offenbar aber nicht geeignet, die Macht im Iran zu übernehmen. Stattdessen, so berichtete die New York Times jüngst, planten Israel und die USA ursprünglich, ungenannten US-Regierungsquellen zufolge, ausgerechnet den ehemaligen iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad als mögliche Übergangsfigur nach einem Regimesturz zu installieren.

In seiner Amtszeit hatte er noch mit der Forderung nach der »Tilgung« Israels für internationales Aufsehen gesorgt, war Anfang der zehner Jahre aber bei den führenden Klerikern in Ungnade gefallen, weil er einen spezifisch iranischen Islam wollte, der auf der persischen Tradition beruhte.

Ob der Mord an Masjoody tatsächlich politisch motiviert war, müssen nun Gerichte klären. Doch bereits jetzt zeigen der Fall und die ihm vorausgehenden Feindseligkeiten, wie tief die Gräben in der oppositionellen iranischen Diaspora sind.