Zum ersten Mal seit Jahren bin ich wieder in Buxtehude, im Südwesten Hamburgs gelegen, gleich hinter Harburg und Neugraben. Neben dem Bahnhof, im Café Goldbrunch, sitze ich und zeichne durch die großen Schaufenster die vorbeiflanierenden Kleinstadtbewohner. Die Stadt ist diverser geworden. Die Leute sind nicht mehr von denen in Hamburg zu unterscheiden. Trotzdem ist eine viel größere Ruhe zu spüren.
Bis Ende 1984 bin ich in Buxtehude zur Schule gegangen. Eigentlich wohnte ich nur wenige Jahre hier. 1980, 1981, 1982, 1983 und 1984. Aber was für entscheidende Jahre! Hier hatte ich meine ersten Freundinnen. Zum ersten Mal Sex. Die ersten Veröffentlichungen. Einen Freundeskreis aus Musikbegeisterten.
Ohne die schreckliche Langeweile und Isoliertheit in der Provinz hätte ich nicht angefangen zu zeichnen. Ich wäre nie Comiczeichner geworden.
Wie mühsam es war, zu einem Konzert nach Hamburg zu kommen! Um 1982 Depeche Mode oder 1984 Einstürzende Neubauten zu sehen, mussten wir Stunden vorher losfahren und dann irgendwo in Hamburg übernachten. Was ich alles verpasst habe, nur weil ich auf dem Land gewohnt habe. Früher hat mich das traurig und wütend gemacht.
Heutzutage freue ich mich darüber. In Hamburg wäre ich als Teenager immer unterwegs gewesen. Ohne die schreckliche Langeweile und Isoliertheit in der Provinz hätte ich nicht angefangen zu zeichnen. Ich wäre nie Comiczeichner geworden. Danke, Buxtehude!