Jungle+ Artikel 04.06.2026
Der französische Mogul kauft munter weiter Medienhäuser auf

Citizen Kane? Bourgeois Bolloré!

Der rechtskatholische Unternehmer Vincent Bolloré kauft sich ein Medienhaus nach dem anderen und agiert dabei als identitätspolitischer Kämpfer für ein weißes Frankreich.

So dramatisch wie in dem Film von Orson Welles, der William Randolph Hearst 1941 als »Citizen Kane« porträtierte, ging es im Leben des Medienmoguls sicherlich nicht zu. Da gab es keinen Schnee und keinen Schlitten namens Rosebud, wohl aber ein aus Goldminen geschöpftes Millionenerbe, das der findige Junge auf geradezu märchenhafte Weise vervielfachte. Seine erste Zeitung, den San Francisco Examiner, bekam er vom Vater geschenkt, der sie selbst eher beiläufig erworben hatte.

Hearsts eigene bahnbrechende Erfindung war ein seither als Yellow Press bezeichneter Skandal- und Sensationsjournalismus, der ihn nicht nur maßlos reich, sondern ebenso größenwahnsinnig machte, wobei seine politischen Aspirationen noch abenteuerlicher erscheinen als die des Charles Foster Kane im Film. Natürlich wollte Hearst auch Präsident der USA werden.

Ins Mediengeschäft ist Bollorés Konzern erst in den nuller Jahren eingestiegen und hat seine Marktmacht dann zügig ausgebaut.

Kurioser als dieser bei einem solchen Mann fast selbstverständliche Wunsch, der ihm als einer von wenigen versagt blieb, sind allerdings die wechselhaften Sympathien, die er zuzeiten bekundete. Er fand Gefallen an Hitler und Mussolini, warnte vor dem Kommunismus und war als alter Demokrat zugleich ein Anhänger Franklin D. Roosevelts, gegen dessen New Deal er polemisierte. Aus dem drohenden Weltkrieg wollte er die Vereinigten Staaten heraushalten. Andererseits gehörten seine Zeitungen, wovon »Citizen Kane« noch nichts erahnen ließ, bald zu den ersten, die auf ihrer Titelseite über die Vernichtung der Juden Europas berichteten.

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