Jungle+ Artikel 04.06.2026
Leily Santizo Rodas, Juristin, im Gespräch über Korruption in Guatemala

»Sie wollten mich bestrafen«

Jahrelang hatte Leily Santizo Rodas gegen Korruption insbesondere in der guatemaltekischen Armee ermittelt, dann wurde sie selbst angeklagt und floh ins Exil. Im Interview spricht die ehemalige Juristin der UN-Kommission gegen Straflosigkeit in Guatemala über den sogenannten Pakt der Korrupten, politische Justiz und ihre Hoffnung auf Reformen. Auch wenn die Amtszeit der umstrittenen Generalstaats­anwältin María Consuelo Porras vor kurzem endete, blickt Rodas skeptisch auf die Entwicklung in Guatemala.

Vor drei Wochen schied die unbeliebte guatemaltekische Generalstaatsanwältin María Consuelo Porras aus dem Amt, viele haben das öffentlich gefeiert. Wie sehen Sie das?
Das ist definitiv ein Hoffnungsschimmer. Die Kritik an der Generalstaatsanwaltschaft war in Guatemala immens. Vor allem nach der Wahl von Präsident Bernardo Arévalo gab es ab September 2023 landesweite Proteste. Hinzu kamen internationale Sanktionen gegen María Consuelo Porras und ihr enges Umfeld, unter anderem durch die USA, die EU und weitere Staaten. Das zeigt eindeutig, wie stark die Justiz in Guatemala instrumentalisiert worden ist. Nun müssen wir abwarten, ob sich mit dem neuen Generalstaatsanwalt tatsächlich etwas ändern wird.

Das ist Gabriel Estuardo García Luna, der am 17. Mai seine Arbeit aufgenommen hat. Seine ersten Schritte und Ankündigungen klingen durchaus wegweisend.
Das stimmt. Ich halte die Auflösung der Fiscalía Especial contra la Impunidad (Feci), der umstrittenen Speziellen Staatsanwaltschaft gegen Straflosigkeit, für einen wichtigen Schritt. Diese In­stitution hat in den vergangenen Jahren jegliches Renommee verloren. Unter der Leitung von Rafael Curruchiche war sie zu einem Instrument der Kriminalisierung kritischer Ermittler und Andersdenkender geworden. Deshalb ist ihre Auflösung nur konsequent.

Sie hoffen auch persönlich auf Konsequenzen daraus?
Ja. Auch meine Fälle, also die Verfahren, in denen ich kriminalisiert wurde, liegen bei der Feci. Deshalb hoffe ich, dass sie überprüft und eingestellt werden. Aber das kann dauern.

»Plötzlich wurde gegen diejenigen ermittelt, die sich für eine unabhängige und transparente Justiz eingesetzt hatten.«

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