»Sie wollten mich bestrafen«
Vor drei Wochen schied die unbeliebte guatemaltekische Generalstaatsanwältin María Consuelo Porras aus dem Amt, viele haben das öffentlich gefeiert. Wie sehen Sie das?
Das ist definitiv ein Hoffnungsschimmer. Die Kritik an der Generalstaatsanwaltschaft war in Guatemala immens. Vor allem nach der Wahl von Präsident Bernardo Arévalo gab es ab September 2023 landesweite Proteste. Hinzu kamen internationale Sanktionen gegen María Consuelo Porras und ihr enges Umfeld, unter anderem durch die USA, die EU und weitere Staaten. Das zeigt eindeutig, wie stark die Justiz in Guatemala instrumentalisiert worden ist. Nun müssen wir abwarten, ob sich mit dem neuen Generalstaatsanwalt tatsächlich etwas ändern wird.
Das ist Gabriel Estuardo García Luna, der am 17. Mai seine Arbeit aufgenommen hat. Seine ersten Schritte und Ankündigungen klingen durchaus wegweisend.
Das stimmt. Ich halte die Auflösung der Fiscalía Especial contra la Impunidad (Feci), der umstrittenen Speziellen Staatsanwaltschaft gegen Straflosigkeit, für einen wichtigen Schritt. Diese Institution hat in den vergangenen Jahren jegliches Renommee verloren. Unter der Leitung von Rafael Curruchiche war sie zu einem Instrument der Kriminalisierung kritischer Ermittler und Andersdenkender geworden. Deshalb ist ihre Auflösung nur konsequent.
Sie hoffen auch persönlich auf Konsequenzen daraus?
Ja. Auch meine Fälle, also die Verfahren, in denen ich kriminalisiert wurde, liegen bei der Feci. Deshalb hoffe ich, dass sie überprüft und eingestellt werden. Aber das kann dauern.
»Plötzlich wurde gegen diejenigen ermittelt, die sich für eine unabhängige und transparente Justiz eingesetzt hatten.«
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