Jungle+ Artikel 04.06.2026
Sayan Kouhzad berichtet über ihr Leben als Lesbe im Iran

Verlorene Möglichkeiten

Lesben und Schwule haben es schwer in der Islamischen Republik Iran. Die nach Deutschland geflohene Autorin Sayan Kouhzad legt davon in ihrem Buch »Wenn ich nicht im Iran geboren worden wäre« eindrucksvoll Zeugnis ab.

In der Reihe »In*sight/out*wright« des Berliner Querverlags erscheinen seit einigen Jahren kleinere Schriften, die sich geschlechter- und sexualpolitischen Themen widmen. Während die Sammelbände der vieldiskutierten »Kreischreihe«, dem der Band »Beißreflexe« vorangegangen war, vor allem an politische Debatten anschlossen, zeichnen sich diese Büchlein, die in handlichem Format publiziert werden, durch einen ruhigeren Ton sowie persönlichere ­Perspektiven aus, ohne dabei den universalistischen Anspruch preis­zugeben.

Das gilt auch für den Essay »Wenn ich nicht im Iran geboren wäre« von Sayan Kouhzad, der kürzlich in dieser Reihe erschienen ist. Er handelt vom Leben und den inneren wie äußeren Kämpfen einer jungen lesbischen Frau, die ihr Herkunftsland verlassen musste, um frei zu leben – und doch nicht frei sein kann: Denn die Beschädigungen durch das Aufwachsen unter der islamischen Theokratie bestehen auch im Exil in Deutschland fort – beispielsweise ist der Name, unter dem sie veröffentlicht, ein Pseudonym, das sie aus Sicherheitsgründen benutzt.

»Die Wahrheit ist, dass ich mein ganzes Leben damit verbracht habe, mich fremd und fehl am Platz zu fühlen, nur um mit 16 zu begreifen, dass ich kein Freak war, sondern einfach eine Lesbe.« Sayan Kouhzad

»Dies ist keine helle, strahlende, heroische Geschichte. Es ist eine Geschichte des Überlebens, des Versuchs, aufrecht und authentisch zu bleiben, während man unter der Last des Schmerzes zerbricht«, schickt die Autorin in ihrer Vorbemerkung voraus. Und tatsächlich verweigern sich ihre autobiographisch geprägten Betrachtungen jeder politischen ­Erlösungserzählung, wonach mit der Ankunft im Westen nahtlos das gute Leben beginnt.

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