Woke Bisons
Fassungslos schauen viele Europäer auf die USA unter Präsident Donald Trump. In vielen klugen Analysen und Essays wird diskutiert, wie das alles passieren konnte. Selbst wenn man die alle liest, bleibt man doch oft ratlos zurück.
Man kann aber auch die Fernsehserie »Yellowstone« zurate ziehen. Das ist unterhaltsamer, und möglicherweise kommt man einem tieferen Verständnis erheblich näher. Auch dem eines Konflikts, der sich derzeit in den Weiten des mit 1,1 Millionen Einwohnern karg besiedelten Western-Staats Montana abspielt und der wirkt wie eine nachgeschobene Staffel der Serie über die Viehzüchter-Dynastie der Duttons.
Im Zentrum des Konflikts steht eines der, ach was: das US-amerikanische Sinnbild – der Bison, im US-amerikanischen Englisch auch schlicht buffalo genannt. Das Riesenrind ist das größte Landtier Nordamerikas, Bullen können fast eine Tonne schwer werden und eine Schulterhöhe von nahezu zwei Metern erreichen. Sie sind, neben dem Weißkopfseeadler, das US-Nationaltier. Vor der Ankunft der europäischen Siedler zogen etwa 30 Millionen von ihnen in gewaltigen Herden über die Prärie. Sie sind tief im kulturellen Gedächtnis der Nation verankert: Buffalo Bill, Stampeden, »Der mit dem Wolf tanzt« – you name it.
Die einst unermesslich scheinenden Bisonbestände wurden von den europäischen Siedlern in regelrechten Massakern abgeschlachtet, auch zum Zweck der Kriegführung gegen die Indigenen.
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