Das richtige Leben des Alvaro Maderholz
Reise nach Eisenerz
Herbst 2017
Im Spätsommer 2017 kam ich durch Umstände, die in keinem Zusammenhang mit der folgenden Geschichte stehen, für einige Wochen in die Steiermark, wo ich gemeinsam mit anderen jungen Forscher:innen die im Laufe der letzten Jahrzehnte stattgefunden habenden Veränderungen in den erzählten Erinnerungen der Bergarbeiter von Eisenerz untersuchen sollte. Unsere Gruppe bestand aus Sprachwissenschaftler:innen, Soziolog:innen, Meterolog:innen und zwei Ethnologinnen und schien wahllos zusammengesetzt. Fast alle Beteiligten folgten weniger einem spezifischen thematischen Interesse als vielmehr der Notwendigkeit akademischen Tätigseins.
An konkrete wissenschaftliche Ergebnisse der Forschungsreise erinnere ich mich daher nicht – obwohl sicherlich einiges Berichtenswertes über das Leben und das Erinnern von Bergarbeitern herausgefunden wurde, beispielsweise, dass es bisher keine weiblichen Bergarbeiterinnen in diesen Minen gegeben hatte –, im Gegenteil ist meine Erinnerung in der Rückschau durch Ereignisse geprägt, die mit dem eigentlichen Sachverhalt der Forschungsreise in keiner Beziehung stehen. Die Geschehnisse am Rande dieser Reise führten mich in den folgenden drei Jahren nach Italien, Argentinien, Bolivien und bis nach Chile, stets auf den Spuren jenes Dichters, auf den ich hier in Eisenerz gestoßen war. Doch der Reihe nach.
*
An einem spätsommerlichen Tag im September, spiegelnde Wärme breitete sich noch einmal für eine Woche aus, fuhr ein Teil unserer Gruppe, vier Personen, ein weiteres Mal von unserem Ausgangslager in Graz in den etwa achtzig Kilometer entfernten, knapp viertausend Einwohner:innen zählenden Ort Eisenerz – das Herzstück unserer Forschung.
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