Jungle+ Artikel 11.06.2026
French Sunday

Faulenzen auf Französisch

Der Trend des »French Sunday« soll dazu inspirieren, den letzten Tag der Woche zu genießen. So selbstverständlich, wie es klingen mag, war das allerdings noch nie.

Die Franzosen wissen einfach, wie man am besten lebt. So jedenfalls lautet eine auch hierzulande verbreitete Auffassung. Das milde Klima habe sie das savoir-vivre gelehrt, und dazu eigne ihnen dieses je ne sais quoi. Alle anderen versuchen indes, das nachzumachen. Franzosen – und insbesondere Französinnen, sogenannte French girls – sind, jedenfalls jener verbreiteten Auffassung zufolge, so mühelos wie elegant.

Statt etwa einen Arbeitstag mit Fertigmüsli vor dem Laptop zu beginnen, wirft sich das in den sozialen Medien so inszenierte French girl morgens einen Trenchcoat über, schlüpft in hölzerne Pantoletten und bestellt im Café gegenüber einen Café au lait und ein frisches Croissant. Ihre Lippen hat sie schnell und geübt mit leuchtendem Rot akzentuiert, ansonsten trägt sie kein Make-up. Ihr Haar ist noch etwas zerzaust – sie sieht blendend aus. Nachdem sie ein wenig in Le Monde gelesen hat, macht sie sich auf in die Pariser Agentur, in der sie arbeitet, oder wahlweise in ihren Blumenladen in der Provence. Abends diniert sie stundenlang bei Rotwein mit ihren Freundinnen und Freunden; alle genauso schlank, braungebrannt, kultiviert und entspannt wie sie selbst. So das Klischee.

Dass Jane Birkin, die Blaupause des medial gefeierten French girl, gebürtige Britin ist, scheint die frankophile Gemeinschaft nicht zu stören. Immerhin hat die Schauspielerin und Sängerin ja lange in Frankreich gelebt und mit Serge Gainsbourg das Lied »Je t’aime … moi non plus« (1969) aufgenommen, das die kokette Sinnlichkeit der Franzosen auf den Punkt zu bringen scheint. Was hätte die vor drei Jahren verstorbene »Jane B.« wohl zum so genannten French Sunday gesagt? Vielleicht hätte sie sich ein wenig amüsiert darüber, dass etwas so Triviales wie Nichtstun zum Social-Media-Trend wird. Seit einigen Monaten macht dieser Trend in bestimmten Ecken des Internets die Runde, landete kürzlich sogar im Guardian und in der Vogue.

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