Professor gone mad
Live-Schalten, Gastbeiträge, Interviews: Einen wie Moshe Zimmermann konsultiert man hierzulande gern. Die Beliebtheit, der sich der israelische Historiker in Deutschland erfreut, hat – Hand aufs Herz – vor allem damit zu tun, dass er einem die hart antrainierte Meinung regelmäßig zu bestätigen scheint. Wenn es mal wieder darum geht, Israel zu ermahnen, doch bitte schön aufzupassen, die deutsche Barbarei nicht zu wiederholen, ist Zimmermann als Experte gern zur Stelle. Israel, der ideelle Gesamtunrechtsstaat? Ein kriegslüsterner Störenfried, dem man den 7. Oktober so schnell nicht wird verzeihen können? Nolens oder volens, aber jedenfalls wie bestellt, liefert der Historiker den passenden »Kontext«, wie man so sagt, vom Dauerbrenner Völkerrecht bis zum Lieblingsbösewicht Benjamin Netanyahu.
Auch »People gone mad«, sein neues Buch, haut in diese Kerbe. Verhandelt wird darin, so verspricht es der Untertitel, »wie die Demokratie sich selbst zerstört«. Spoiler: Es hat etwas mit Israel zu tun.
Wenn Zimmermann von der »Diskreditierung der existierenden Eliten« schreibt und davon, dass »leicht angreifbare Eliten zur Zielscheibe des Unmuts werden«, dann rationalisiert er die rechte Erzählung mehr, als ihm lieb sein dürfte.
Zimmermann – der sich selbst einen »rationalen Beobachter« nennt – wartet mit der bahnbrechenden These auf, dass die »Vorteile der freiheitlichen Demokratie« doch beeindruckend seien. Warum aber haben dann antidemokratische Bestrebungen Oberwasser? Weil »das Volk« in die Irre geführt werde. Verrückt gemacht von Populisten, von »Feinden der Demokratie«. Und die würden, allgemeinplätzelt Zimmermann, all die Freiheiten und Möglichkeiten der Demokratie ausnutzen, um diese auszuhöhlen.
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