»Das betrifft längst auch die Mittelschicht«
In Städten wie Berlin, Hamburg oder Leipzig scheinen seit einiger Zeit viel mehr arme, anscheinend obdachlose, zum Teil stark verwahrloste Menschen unterwegs zu sein als noch vor wenigen Jahren. Stimmt das oder täuscht der Eindruck?
Der Eindruck täuscht nicht, in den Großstädten sehen wir auch zahlenmäßig, dass Wohnungs- und Obdachlosigkeit stark zugenommen haben. Nach unseren Hochrechnungen waren im Jahr 2017 circa 41.000 Menschen obdachlos, 2024 waren es schon 56.000. Bei der Wohnungslosigkeit ist die Steigerung noch gravierender. 2023 waren fast 928.000 und 2024 schon über eine Million Menschen in Deutschland wohnungslos.
Worin liegt der Unterschied zwischen Wohnungslosigkeit und Obdachlosigkeit?
Wohnungslos sind Menschen, die über keine mietrechtlich abgesicherte Wohnung und kein Wohneigentum verfügen. Die meisten von ihnen sind aber untergebracht, zum Beispiel in kommunalen Notunterkünften oder Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe. Dazu gehören auch anerkannte Flüchtlinge, die, obwohl sie dürften, nicht aus den Gemeinschaftsunterkünften ausziehen können, weil sie keine Wohnungen finden. Das betrifft viele Ukrainer:innen. Oft schlagen sich verdeckte Wohnungslose auch bei Freunden, Bekannten und Familie durch, leben in einfachen Pensionen, Monteurswohnungen, Frauenhäusern oder Gartenlauben.
Wer gilt als obdachlos?
Die öffentlich am stärksten sichtbare Form von Wohnungslosigkeit ist Obdachlosigkeit. Obdachlos sind diejenigen, die noch nicht einmal ein Obdach haben, auf der Straße leben oder in Zelten oder Abbruchhäusern unterkommen. Wenn wir über diese Menschen reden, ist es wichtig, sich klarzumachen, dass nicht alle wohnungslosen Menschen dem Klischee des verelendeten, psychisch kranken Obdachlosen entsprechen.
»Menschen, die aus der Psychiatrie entlassen werden, gelten mitunter als ›nicht unterbringungsfähig‹. Sie landen dann auf der Straße.«
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