Jungle+ Artikel 18.06.2026
Ein Besuch im armenischen Grenzgebiet zu Aserbaidschan

Im Schatten von Bergkarabach

Fast drei Jahre nach der Vertreibung der Armenier aus der Region Bergkarabach prägen die Folgen des Konflikts weiterhin den Süden Armeniens. Eine Reise in die Grenzregion Sjunik.

Der Worotan-Pass auf dem Weg von Eriwan nach Goris – eine Kleinstadt im Südosten Armeniens nahe der Grenze zu Aserbaidschan – liegt 2.344 Meter über dem Meeresspiegel. Auch im Mai sind hier die Hänge und Wiesen neben der Straße noch schneebedeckt. Die Aussicht über das armenische Hochland im Kleinen Kaukasus ist bezaubernd, man sieht zerklüftete rote Felsen und Steppenlandschaft, so weit das Auge reicht. Sogar der Gipfel des Großen Ararat schimmert im Westen jenseits der türkischen Grenze am Horizont.

Bisweilen verdeckt plötzlich aufkommender Nebel die Sicht – oder hat sich einfach eine Wolke über die Bergstraße geschoben? Gelegentlich geraten Kuh- und Schafherden ins Blickfeld, ein paar Mal überqueren sie sogar die Fahrbahn; der Bus muss kurz anhalten oder sich zwischen ihnen hindurchschlängeln. Einmal taucht aus der Gegenrichtung eine Kolonne von vier iranischen Tanklastern auf – die geographische und politische Lage von Armenien ist kompliziert.

Mit dem politisch illiberaler werdenden Georgien im Norden und dem Iran im Süden gibt es solide Wirtschaftsbeziehungen. Doch das kleine Land im Kaukasus mit seinen drei Millionen Einwohnern liegt auch zwischen der Türkei im Westen und Aserbaidschan im Osten, mit beiden Ländern ist es aus unterschiedlichen historischen Gründen schon lange verfeindet.

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