Jungle+ Artikel 18.06.2026
Kein Sex für Öl – in Evi Kalogiropoulous Spielfilm »Gorgonà« rebellieren die Frauen gegen den Petromaskulinismus

Monsterfrauen mit Schlangenhaaren retten die Welt

Stinkende Ölraffinerien und toxische Männlichkeit haben die Menschheit an den Rand des Abgrunds geführt. In Evi Kalogiropoulous Spielfilm »Gorgonà« rebellieren Frauen gegen Petromaskulinität.

In einer unbestimmten Zukunft in einem dystopischen Griechenland: Das Land ist in abgewirtschaftete Stadtstaaten zerfallen. Einer davon kommt dank seiner Ölraffinerie über die Runden. Die gesamte post­apokalyptische Wirtschaft der Polis beruht darauf, das Öl der Anlage an jene Städte zu verkaufen, die durch Umweltzerstörung und Verteilungskämpfe schon vollkommen ruiniert sind. Sogar von kollektiven Selbstmorden ganzer Stadtgesellschaften ist in einer Nachrichtensendung aus dem Nirgendwo die Rede.

Das Sagen in dem Ölstaat hat eine Bande von Männern, die in Tanktops oder mit freiem Oberkörper ihre Muskeln, Tattoos und die stets mitgeführte Waffen zur Schau stellen. Sie spritzen sich Anabolika, trommeln sich auf ihren Versammlungen auf die Brust und schießen in die Luft. Gesund ist das nicht – und tatsächlich wird der Anführer dieser sich als Bruderschaft verstehenden Gemeinschaft, Nikos (Christos Loulis), unheilbar krank.

Insbesondere im Einsatz des Lichts und der zwischen Rot und Grün changierenden Farbigkeit entwickelt der Film eine gewisse eigene Sinnlichkeit und erinnert an italienische Giallos, ein Genre, dem es nicht zuletzt darum ging, Schauwert und Kunstfertigkeit miteinander zu verbinden.

Um den Zusammenhalt der von ihm geschaffenen ­Ordnung auch über seinen Tod hinaus zu sichern, sucht er in einem aufwendigen Auswahlverfahren nach einem geeigneten Nachfolger – oder einer Nachfolgerin. Gegen den Willen seiner chauvinistischen Gefolgschaft ermuntert er seine Geliebte Maria (Melissanthi Mahut) zur Teilnahme am martialischen Wettstreit. Dass er es ernst damit meint, macht er auf seine brutale Tour klar, als er vor versammelter Mannschaft einen der Schreihälse, die Marias Ausschluss fordern, erschießt. Etwa zur selben Zeit setzt die Ankunft ­einer Fremden Entwicklungen in Gang, die das Machtgefüge in der Stadt erschüttern werden.

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