Jungle+ Artikel 18.06.2026
Porträt der jüdischen Architekturhistorikerin Myra Warhaftig

Kein Vergeben, kein Abreißen

Die deutsch-israelische Architektin Myra Warhaftig erforschte jahrzehntelang Bauten und Biographien jüdischer Architektinnen und Architekten, die im Nationalsozialismus verfolgt worden waren. Seit ihrem Tod 2008 hält die »Gesellschaft zur Erforschung des Lebens und Wirkens deutschsprachiger jüdischer Architekten« die Erinnerung an Warhaftigs Arbeit wach.

Erinnerung ist Handarbeit. Das ist eine der Lektionen, die man von Myra Warhaftig lernen kann. Die deutsch-israelische Architektin erforschte seit den achtziger Jahren auf eigene Initiative und weitgehend ohne institutionelle Unterstützung das Schicksal von Architektinnen und Architekten jüdischer Herkunft in Deutschland vor und nach 1933. »Sie ist ja keine Historikerin gewesen, keine Fachfrau, was Archivforschung angeht. Sie hat sich diese Fähigkeiten selbst erarbeitet und in vieler Hinsicht Pionierarbeit geleistet«, erzählt Günter Schlusche im Gespräch mit der Jungle World.

Er gehörte zu einer Gruppe von Unterstützerinnen und Unterstützern Warhaftigs, die sich 1992 zur »Gesellschaft zur Erforschung des Lebens und Wirkens deutschsprachiger jüdischer Architekten« zusammenschlossen. Mittlerweile ist er Vorsitzender des eingetragenen Vereins. »Diese Arbeit, die sie über die Jahrzehnte bis zu ihrem Tod 2008 geleistet hat, ist nie so richtig anerkannt worden, jedenfalls nicht in dem Sinne, dass sie damit Geld verdient hätte.«

Es waren nicht nur die Lebensläufe, sondern auch die Bauten jüdischer Architektinnen und Architekten, denen Warhaftigs Interesse galt.

Um 1933 praktizierten rund 450 Architektinnen und Architekten jüdischer Herkunft in Deutschland. Während einige von ihnen jüdischen Gemeinden angehörten oder im »Cen­tral-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens« aktiv waren, spielte die eigene jüdische Familiengeschichte für andere zunächst keine Rolle. Sie alle waren aber vom Reichskulturkammergesetz der Nationalsozialisten betroffen: Ab November 1933 hatten sich alle Angehörigen kreativer Berufe in gleichgeschaltete Berufsverbände einzutragen.

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