Jungle+ Artikel 25.06.2026
Die Motive der Propaganda für den KI-Einsatz in den Medien

Fit werden für die Textmaschine

Regierungsvertreter und auch der Vorsitzende des Springer-Konzerns, Mathias Döpfner, ­veröffentlichen KI-generierte Texte als eigene und fordern den allgemeinen KI-Einsatz in der Öffentlichkeit. Sie folgen damit den Imperativen einer Gesellschaft, in der Texte Gedanken nicht mehr ausdrücken, sondern nur noch halbwegs überzeugend nachahmen müssen.

Seit es die öffentliche Rede gibt, existieren auch drei Formen, Texte zu produzieren, ohne sie selbst schreiben zu müssen. Die erste ist die schlichte Delegation. Jemand schreibt dem Staatsmann und der Staatsfrau die Reden, die diese mehr oder weniger schauspielerisch gekonnt vortragen. Was für Staatsfrauen und Staatsmänner gilt, gilt auch für die Führungsriege von beispielsweise Strumpfhosen­fabriken. Prominente haben heutzutage so selbstverständlich einen Ghost­writer, wie sie Bodyguards und Beauty-Berater haben.

Die zweite Form sind Anleitungen beziehungsweise Ratgeber: »Wie schreibe ich eine Rede für die Weihnachtsfeier des Blasmusikvereins, bei der alle trotz gestiegenem Alkoholpegel Aufmerksamkeit und Applaus spendieren?« Man könnte das als Strukturierung von Texten nach Marketing-Prinzipien ansehen. Es gibt Anleitungen für die Produktion von Propaganda ebenso wie für Trauerreden und Verkaufsgespräche.

»Minister Wildberger nutzt es als Unterstützung, weil er überzeugt ist, dass Deutschland den produktiven und zugleich maßvollen Umgang mit KI schnell lernen muss.« Ein Sprecher des Bundesdigital­ministeriums

Das dritte schließlich lässt sich als »Textmaschine« verstehen: Eine mechanische Zusammenstellung von Text-Bausteinen, ein Zitatesampling, Formulierungsraster wie, nur zum Beispiel, die Vorlage zum Schreiben ­eines Heimatroman-Hefts. Und natürlich gibt es auch künstlerische Ver­suche mit Textmaschinen, die etwa zu Cut-up-Gedichten oder dadaistisch poetischen Zufallsworten führen. Allgemein lässt sich eine Textmaschine wohl als Verfahren bezeichnen, die Produktion von Texten zu mechanisieren, zu beschleunigen, zu codieren und schließlich zu kontrollieren. Die Textmaschine hilft, einen Text zu produzieren, der den Erwartungen der Auftraggeber ebenso denen der Kunden entspricht.

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