Jungle+ Artikel 25.06.2026
Die Bundesregierung bremst noch bei EU-Maßnahmen gegen chinesische Exporte

Schockierende Konkurrenz

Noch verhindert die Bundesregierung auf EU-Ebene eine protektionistische Politik gegen China. Doch auch deutsche Industriekonzerne fürchten die chinesischen Exporte. Ein handelspolitischer Konflikt wird wahrscheinlicher.

Beim EU-Gipfel in der vergangenen Woche zeigte sich beim Thema China ein bekanntes Muster. Einige Mitgliedsländer hatten höhere Zölle auf chinesische Importe in die EU ins Gespräch gebracht, doch unter anderem Spanien und Deutschland blockierten den Vorschlag. Wie üblich priorisierte die Bundesregierung die Geschäftsinteressen deutscher Konzerne in China und wollte deshalb Konflikte vermeiden.

Diese Haltung könnte sich allerdings bald ändern. Denn chinesische Exporte stellen für den deutschen Industrie­standort ein immer größeres Problem dar. Die Zeiten, in denen Deutschland innerhalb der weltkapitalistischen Arbeitsteilung die privilegierte Position eines Exportgroßmeisters innehatte, sind endgültig vorbei. Ein Grund dafür besteht darin, dass Schlüsselbranchen wie etwa die Automobilindustrie die technologische Führungsposition verloren haben; vor allem aber haben sich die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen entscheidend verändert.

Im vergangenen Jahr hat Deutschland im Handel mit China ein präzendenzloses Bilanzdefizit von 90 Milliarden Euro eingefahren.

Der Industriestandort Deutschland – versehen mit einem großen Niedriglohnsektor und einem relativ schwachen Euro – verdankte seine Erfolge jahrzehntelang einer internationalen Wirtschaftsordnung, die von offenen Marktzugängen geprägt war. Die ist aber Geschichte. Das liegt vor allem an den beiden Wirtschaftsmächten, die Anfang dieses Jahrzehnts noch am eifrigsten deutsche Waren abnahmen: die USA und China. Erstere verschanzen sich seit Beginn der zweiten Präsidentschaft von Donald Trump hinter Zollmauern, mit dem Ergebnis, dass die deutschen Exporte dorthin von Januar bis November 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 9,4 Prozent zurückgingen.

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