25.06.2026
Small Talk mit Wolfram Jarosch, dem Vater von Maja T.

»Maja ist immer noch fast 23 Stunden am Tag isoliert«

Im Februar wurde Maja T. in erster Instanz zu acht Jahren Haft verurteilt. Maja T. soll gemeinsam mit anderen angeklagten Antifaschist:innen Neonazis in Thüringen und Ungarn angegriffen haben (»Budapest-Komplex«). Trotz der rechtswidrigen Auslieferung aus Deutschland befindet sich T. weiterhin in Ungarn in Haft. Die »Jungle World« sprach mit Wolfram Jarosch, dem Vater von Maja T., über die derzeitige Lage.

Zuletzt hat sich Maja T. mit einem Gastkommentar in der Taz zu Wort gemeldet und eindrücklich die Haftbedingungen geschildert. Wie geht es ihrem Kind zurzeit?
Majas Situation ist nach wie vorher mental und gesundheitlich sehr belastend. Durch den 40tägigen Hungerstreik konnte sie sich eine tägliche Stunde gemeinsamen Hofgang mit einem Mitgefangenen und weitere Kontakte erkämpfen. Aber selbst der Hofgang fällt immer wieder aus. Im Schnitt ist Maja immer noch fast 23 Stunden am Tag völlig isoliert. Wir hoffen, dass es nach der Sommerpause schnell zum Revisionsverfahren kommt, damit dieser Zustand bald ein Ende hat.

Mit dem Wahlerfolg von Péter Magyar und dem Ende der Ära Viktor Orbán verbinden viele die Hoffnung auf einen politischen Neuanfang. Teilen Sie diese Hoffnung?
In Ungarn gibt es bei vielen Menschen tatsächlich eine große Euphorie, dass der Weg in die Autokratie beendet wurde. Grundsätzlich teilen wir diese Hoffnung, aber vieles wird einiges an Zeit kosten. Konkret hat sich bei meinem Kind bis auf Kleinigkeiten wenig verändert. Der Umgang im Gefängnis ist etwas freundlicher und Maja hat eine Schreibmaschine bekommen. Zugleich wird Gerüchten zufolge in Ungarn gerade viel vertuscht und es werden Unterlagen vernichtet.

»Konkret hat sich bei meinem Kind bis auf Kleinigkeiten wenig verändert. Der Umgang im Gefängnis ist etwas freundlicher und Maja hat eine Schreibmaschine bekommen.«

Sie waren Gast beim umstrittenen Podcast »Ungeskriptet« von Benjamin »Ben« Berndt. Was hat Sie zu dem Gespräch bewogen und welche Reaktionen gab es?
Generell denke ich, dass wir mehr miteinander reden sollten, gerade auch mit Menschen, die andere Ansichten haben als wir selber. Von Benjamin Berndt hatte ich während des Interviews einen menschlich guten Eindruck. Allerdings sehe ich es sehr kritisch, dass er etwa Maximilian Krah und Björn Höcke nicht nur einlädt, sondern ihre Positionen dabei auch völlig unkommentiert stehen lässt.
In anderen Gesprächen erlebe ich eigentlich nur positive und unterstützende Reaktionen. Gerade in Jena, wo viele Menschen Maja persönlich kennen. Kommentare im Internet lese ich nicht.

Gibt es etwas, das Sie positiv auf die Zukunft blicken lässt?
Bundesaußenminister Wadephul sagte mir vor einem Dreivierteljahr noch: »Das Bundesverfassungsgericht hat gesprochen und deswegen muss Ihr Kind zurück nach Deutschland.« Nun, mit der neuen ungarischen Regierung, könnte das umgesetzt werden. Bisher scheint sich dahingehend aber leider wenig zu tun. Es besteht die Gefahr, dass sich Majas Situation immer weiter in die Länge ziehen wird. Deshalb gibt es am 27. und 28. Juni bundesweite Aktionstage, um darauf aufmerksam zu machen, dass Maja vor genau zwei Jahren unrechtmäßig aus Deutschland ausgeliefert wurde.
Die Abwahl Orbáns lässt hoffen, dass bald vielleicht auch ein Trump oder ein Putin Geschichte sein werden. Auch wenn unsere Demokratie und unsere Gesellschaft viele Schwächen haben, ist es wichtig, sie zu verteidigen und gemeinsam und solidarisch zu verbessern. Genauso ist die Solidarität für Maja und mich sehr wichtig. Für das Gefühl, in dieser schweren Situation nicht alleine zu sein, sind wir sehr dankbar.