Auf die Länge kommt es an
Am Strand liegen. Ein gutes Buch lesen. Ganz verträumt auf die untergehende Sonne blicken. So stellen sich viele den Sommerurlaub vor. Aber ist das Entspannung?
Das Konzept, die Seele baumeln zu lassen, wie man so sagt, ist nicht für alle eine gute Idee. Denn selten kann man sich so rastlos fühlen wie an einem faulen Strandtag.
Spätestes am zweiten Tag beginnt das Grübeln. Ruhe und Entschleunigung schaffen nämlich Raum und Zeit, sich Gedanken über den Chef, die kaputte Spülmaschine und den Stapel ungelesener Bücher auf dem Schreibtisch zu machen.
Für Menschen mit Bürotätigkeiten kann es gut sein, in den Ferien einen aktiven Ausgleich zu schaffen. Also: Tanzen, Wandern, Drogen nehmen.
Bei der Erholung soll es aber um einen Ausgleich zum stressigen Alltag und um die Ablenkung vom üblichen Elend gehen. Wenn die Erwerbsarbeit körperlich fordernd ist, kann es durchaus sinnvoll sein, sich im Urlaub zu entspannen. Umgekehrt kann es für Menschen mit Bürotätigkeiten auch gut sein, in den Ferien einen aktiven Ausgleich zu schaffen. Also: Tanzen, Wandern, Drogen nehmen. Vor allem ist der richtige Urlaub aber eines: lang!
Ein verlängertes Wochenende ist zwar hübsch. Aber nur richtiger Urlaub bringt auf andere Gedanken. Eine Sommerpause von zwei Monaten wäre angemessen, um dann im Herbst ausgeruht und gut gelaunt wieder zur Arbeit zu erscheinen. Dass manche Arbeitgeber den Urlaub pauschal auf eine Woche am Stück begrenzen, ist nicht nur fies, sondern auch nicht erlaubt. Selbst eine betriebliche Regelung, die zusammenhängenden Urlaub auf maximal zwei Wochen begrenzt, verstößt gegen das Bundesurlaubsgesetz. So jedenfalls urteilte das Landesarbeitsgericht Thüringen Anfang März.
Zwölf Tage sind nur das Minimum
Wird der Urlaub aufgeteilt, muss einer der Urlaubsteile mindestens zwölf aufeinanderfolgende Werktage (also zwei Wochen, wenn der Samstag als Werktag gilt) umfassen. Diese zwölf Tage sind aber nur das Minimum. Wenn der Arbeitnehmer drei Wochen am Stück Urlaub machen will, ist das eigentlich der Regelfall. Der Chef darf nur mit triftigem Grund ablehnen.
Auch weil die sogenannte leisure sickness (Freizeitkrankheit), also das Krankwerden im Urlaub, so verbreitet ist, kann man mit einer Woche Urlaub mächtig Pech haben. Wer dann eine Woche Ballermann mit Fieber statt mit Sangria verbringt, hat sich nicht nur den Urlaub versemmelt, sondern auch die Laune. Schließlich hat man dann weder Bräunungsstreifen noch Storys für den Social-Media-Kanal vorzuweisen.
Dabei ist Reisen ein zentrales Glücksversprechen unserer Zeit. Beim Reisen findet das statt, was man mit einem erfüllten Leben in Verbindung bringt – möglichst viele intensive Kodak-Momente in möglichst schneller Abfolge. Daher: lieber Zeit nehmen, damit die Fotos fürs virtuelle Familienalbum nicht nach Schnupfen aussehen.