»Was zählt, ist die Interaktion«
International stellen immer mehr Medien auf digitale Verbreitung um, El Bus TV hingegen verschreibt sich explizit dem Offline-Journalismus. Wie sieht das aus?
Ich erkläre das mal mit einem Rückgriff auf die Geschichte: Ich habe El Bus TV direkt an dem Tag kennengelernt, an dem das Projekt zum ersten Mal, nun ja, auf Sendung ging: Am 27. Mai 2017. Im ganzen Land gingen die Menschen gegen die Regierung von Nicolás Maduro auf die Straße. Ich habe damals Kommunikationswissenschaften studiert und war sehr aktiv auf Social Media. Da habe ich das Video gesehen, wie eine Gruppe junger Frauen mit einem Rahmen aus Karton (ein symbolischer Fernseher; Anm. d. Red.) einen Bus bestieg und im Stil von Nachrichtensprecherinnen über die Proteste berichtete.
Daher also der Name, El Bus TV, quasi die analoge Entsprechung zum »Berliner Fenster« in den U-Bahnen der Stadt?
Ja, in Berlin bewegen sich die Menschen mit der U-Bahn. Aber der Nahverkehr in Caracas funktioniert nicht gut, die Menschen benutzen vor allem die Busse. Zu dem Namen gibt es auch ein Wortspiel, El Bus TV kann auf Spanisch nicht nur »der Fernseher im Bus« heißen, sondern auch »der Bus sieht dich«. Wir sehen die Menschen, nicht nur sie uns. Es ist ein Austausch.
Wie reagieren denn die Busfahrer auf El Bus TV?
Mit dem Fahrer muss man verhandeln und fragen, ob man einsteigen kann. Viele Fahrer kennen uns aber schon. Oft freuen sie sich sogar und sagen: »Ich habe die Nachrichten heute noch nicht gehört«, und stellen extra das Radio leiser.
»Für einen Journalisten ist es einfach großartig, den Leuten beim Meckern zuzuhören, denn jede Beschwerde bringt dir einen Auftrag ein.«
Wie reagieren die Leute im Bus?
Manche Leute regen sich auf, andere gestehen Dinge, erzählen ihre eigenen Geschichten. Sie streiten sich auch untereinander, nehmen uns auf, schicken die Videos in ihre Familien-Chats oder laden sie bei Instagram hoch. Ich erinnere mich an eine Busfahrt vor kurzem, die Leute sagten: »Wie ärgerlich, dass den Kindern in Venezuela die Impfstoffe weggenommen wurden.« Denn das ist passiert.
Kinder werden nicht mehr geimpft?
Vorige Woche wurde das bekanntgegeben, eine Reaktion auf den Mangel an Impfstoff. Das bedeutet, die Preise für Impfstoffe werden steigen, weil sie auf dem Schwarzmarkt verkauft werden. Und die Eltern werden zahlen, was auch immer nötig ist, damit ihr Kind nicht krank wird.
Was bedeuten Ihnen die Reaktionen aus dem Publikum in den Bussen?
Dein Computer verrät dir in der Regel nicht, was deine Leser denken, außer sie tippen Kommentare. An Ort und Stelle bekommst du ihre Reaktionen viel realer mit. Die Leute diskutieren und regen sich auf. Für einen Journalisten ist es einfach großartig, den Leuten beim Meckern zuzuhören, denn jede Beschwerde bringt dir einen Auftrag ein. Aber ich glaube, man sollte nicht nur über Themen aus dem Alltag sprechen, der kaum etwas außer Problemen bietet, sondern auch über interessante Themen, über die die Leute gerne reden.
Wieso?
In Venezuela gibt es viele schlechte Nachrichten, das kann inneres Unbehagen auslösen, weil es unangenehm ist, weil man das schon gehört hat, weil es der Alltag ist, den man sowieso satt hat. Das potenziert sich, wenn man den Leuten dann noch den einfachsten Zugang zu Informationen sperrt, und auch Desinformation macht nachrichtenmüde. Das führt dazu, dass sich die Menschen von den Medien abwenden, ohne zu wissen, dass die Medien ein Träger für Gedanken sind. Das heißt, Informationen können Ideen und innere Debatten anregen, die dazu führen, dass man Entscheidungen trifft.
Was hat die erste »Sendung« von El Bus TV für einen Eindruck bei Ihnen hinterlassen?
Ich fand das enorm mutig. Mich hat beeindruckt, wie die Journalistinnen die Menschen konfrontiert haben. Sie sind dorthin gegangen, wo die Menschen sind, in die Busse, und haben ihnen direkt in die Augen geschaut und sich selbst auch gezeigt. Ich hatte sofort den Eindruck, dass sie da eine Distanz überbrücken und dachte: Das will ich auch machen.
Welche Distanz meinen Sie?
Zum einen die Distanz, die die Zensur schafft. Aber auch generell, die Distanz, die der Journalismus oder auch das Digitale den Menschen gegenüber schafft, wenn nur vom Schreibtisch aus gearbeitet wird. Am Ende des Tages kommt es nicht darauf an, dass du einen Presseausweis hast oder von der New York Times bist. Wenn das alles ist, dann hast du verloren, weil es den Leuten egal ist. Ich glaube wirklich, dass die Leute merken, wenn du echtes Interesse hast. Ein Journalismus, der nur noch auf Handybildschirmen stattfindet, ist keiner. Was zählt, ist die Interaktion, das kann man nicht ersetzen.
Was meinen Sie, wenn Sie ihre Berichte als »hyperlokal« bezeichnen?
In jener ersten Sendung ging es nicht nur um die Proteste, sondern auch um andere Themen. Insbesondere solche, die die Gegenden betrafen, durch die der Bus fuhr. Findet ein Gesundheitstag in der nächstgelegenen Ambulanz statt, dann wird das wahrscheinlich in den Nachrichten von El Bus TV aufgenommen. Damit die Menschen Bescheid wissen und dort hingehen können.
Lokaljournalismus also?
Wir sind an Verallgemeinerungen gewöhnt, denken, dass es jeden interessiert, was auf nationaler Ebene passiert – und das tut es auch. Aber vor allem dann, wenn es auch im unmittelbaren Umfeld Auswirkungen hat. Wenn morgen der Preis für das Deutschland-Ticket erhöht würde, dann würden die Leute wohl durchdrehen. Aber wen interessiert, wenn, hypothetisch betrachtet, bei einer kleinen Buslinie in einem Teil von Berlin die Preise stiegen? Die Menschen, die in diesem Teil von Berlin leben! Diese Nachricht ist also wichtig für sie. Informationen können Menschen auf unterschiedliche Weise zusammenzubringen, sie sind die Grundlage von Diskussionen. Aber Informationen müssen nicht immer so komplex sein wie die Aufdeckung eines Korruptionsnetzwerks. Manchmal geht es nur darum, dass morgen eine Seniorengruppe einen Tanz aufführen wird.
Wie finanziert sich El Bus TV?
Das läuft über Spenden und Fördermittel von Organisationen, die sich für das Recht auf Information einsetzen.
Welche Organisationen sind das?
Welche genau es sind, möchte ich lieber nicht sagen. Obwohl, einen Förderer kann ich nennen: die deutsche Botschaft. Die hat uns den Sophie-Scholl-Preis verliehen.
Wann war das?
Das war 2023. Uns wurden Papier und Stifte zur Verfügung gestellt und wir haben damit ein Projekt realisiert, in dem es darum ging, über demokratische Werte zu diskutieren. Wir wollten die Bürgerbeteiligung fördern. Und auf einmal steckte das Land mitten in einer Wahlbetrugskrise – was für eine Dissonanz! Nachdem Nicolás Maduro sich entgegen den realen Wahlergebnissen zum Sieger ausrufen lassen hatte, standen wir vor dem Problem, dass man absolut nichts sagen durfte, weil die Regierung kommen und einen deswegen fertigmachen könnte. Man musste alle Themen wie mit einer Pinzette anfassen.
In den Bussen exponieren Sie und Ihre Kolleginnen sich stark. Was für Erfahrungen haben Sie damit gemacht?
Ich erinnere mich, dass wir bei meinen ersten Einsätzen Zusammenfassungen der Berichte der Website Armando.info vorgelesen haben. Armando.info agiert inzwischen aus dem Exil und ist das führende venezolanische investigative Medienunternehmen. Die haben schwerwiegende Korruptionsfälle aufgedeckt. Wir lasen also mehrere Berichte und auch die Fahrgäste haben ihre Meinungen kundgetan. Alles unter den Augen der Polizisten, die auch in den Bussen saßen. Das hat Angst gemacht, weil unklar war, ob das Folgen haben würde. Aber in unserer Anfangszeit waren die Gewalt und die Verfolgung von Regimekritikern noch nicht so ausgeprägt. Dieser Blick, der dir sagt: »Ich werde dich anzeigen«, und: »Du bist ein Landesverräter« und all das, das fühlte sich damals nicht so intensiv an.
Wann war das?
Das war 2019. Dann kam die Pandemie und die Busse fuhren nicht mehr. El Bus TV hat daraufhin La Parada TV ins Leben gerufen. La Parada heißt »die Haltestelle«. La Parada TV arbeitet mit Wandzeitungen, auf die die Reporter die Nachrichten von Hand schreiben. Wir haben uns damals auf die Suche nach Stadtteilen in Caracas gemacht, die von bestimmten Nachrichtenkanälen vernachlässigt wurden – also Gebiete mit geringem Zugang zu Nachrichten, sei es, weil die Bewohner keine Internetverbindung haben, keine Handys besitzen, sich keinen Datentarif leisten können oder einfach nicht wissen, wo sie nach Informationen suchen sollen.
Können Sie eine Einschätzung zum Ausmaß dieses Informationsdefizits abgeben?
In Venezuela führt das Institut für Presse und Gesellschaft (IPYS) Studien dazu durch. Landesweit leben etwa fünf Millionen Menschen in einer Art Informationswüste, so hieß es im jüngsten Bericht. Je ländlicher die Gegend ist und je weniger wirtschaftliche Aktivität dort herrscht, desto ausgeprägter ist die Informationsarmut.
El Bus TV hätte also Grund genug, seine Arbeit über Caracas hinauszutragen?
El Bus TV war anfangs auf Caracas ausgerichtet, aber bald meldeten sich Studierende aus verschiedenen Regionen des Landes und sagten, sie wollten das auch machen. Der erste Bundesstaat, in dem es umgesetzt werden konnte, war Mérida, das liegt in den Anden. Inzwischen verbreitet El Bus TV Nachrichten in zehn Bundesstaaten.
Welche Rolle spielt Zensur bei der Informationsarmut?
Eine große. Ich habe bereits von der ersten Sendung von El Bus TV erzählt. Das Datum hat etwas sehr symbolhaftes. Es war der zehnte Jahrestag der Schließung von Radio Caracas Televisión (RCTV), dem wichtigsten kritischen Sender im Land. Hugo Chávez entzog ihm 2007 die Lizenz. Nächstes Jahr ist das 20 Jahre her.
Wie würden Sie die Bedeutung dieses Tags für die Venezolanerinnen und Venezolaner beschreiben?
Das war ein Wendepunkt im Leben vieler Menschen. Ich glaube, auch für mich war das ein Wendepunkt. Ich erinnere mich noch daran, als der Bildschirm schwarz wurde, und mein Vater die Schließung bejubelte, weil er ein Anhänger von Chávez war. Ich wusste damals noch nicht, dass ich Journalistin werden würde, aber mir war klar, dass dies schwerwiegende Folgen für die Meinungsfreiheit hatte. Zu diesem Zeitpunkt hat die Regierung der oppositionellen Printpresse den Zugang zu Zeitungspapier entzogen. Das heißt, es gab kein Papier zum Drucken mehr.
Ist das immer noch so?
Auf Papier wird nur die Regime-Propaganda gedruckt, für unabhängige Medien gibt es nach wie vor kein Zeitungspapier. Das letzte Mal, das ich welches in großen Mengen gesehen habe, war im vergangenen Jahr. Da gab es so etwas wie ein Jubiläum des venezolanischen Sinfonieorchesters, genau weiß ich es nicht mehr. Jedenfalls gab es Unmengen von farbig bedrucktem Zeitungspapier. Es war seltsam.
Sehen Sie die Möglichkeit, dass sich nun, da Nicolás Maduro in einem US-amerikanischen Gefängnis einsitzt, etwas daran ändern könnte?
Ich bezweifle sehr, dass es in Venezuela bald wieder Zeitungspapier geben wird; ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass es zurückkommen wird. Die Informationswüsten werden immer größer, die kritischen Stimmen weniger. Globovisión beispielsweise war nach RCTV der wichtigste oppositionelle Fernsehsender, und den hat ein Typ gekauft, der Verbindungen zur Regierung hatte, und natürlich hat sich die redaktionelle Linie geändert. Etliche Journalisten sind ins Exil gegangen und die großen Medien sind auf die digitale Verbreitung umgestiegen.
Inwiefern stellt das ein Problem dar?
Es ist doch so: Wenn man keine analogen Kanäle hat, überlässt man die Kontrolle den Leuten, die das Internet regulieren. Die Regierung sperrt einfach den Zugang zu bestimmten Seiten und dann benötigt man ein VPN, um daran vorbeizukommen. In Venezuela fangen die Probleme aber schon bei der Stromversorgung an.
Sie sprachen von Unsicherheit, Zensur und Verfolgung. Welche Erfahrungen haben Sie und Ihre Kolleginnen damit gemacht?
Zeitweilig habe ich in Chapellín, einem Stadtteil von Caracas, zwei Anwohner darin geschult, Journalisen für ihre Gemeinde zu werden. Sie recherchierten, lasen aus Fenstern heraus ihren Nachbarn die Nachrichten vor. Und ich koordinierte sie, das heißt, ich löste Probleme, in die wir gerieten.
Welche waren das?
Als einer meiner Reporter das erste Mal in seiner Gemeinde eine Wandzeitung aufhing, kamen direkt die »Colectivos«, das sind bewaffnete regimeloyale Gruppen, und klopften an seine Tür. Nur seine Frau und seine dreijährige Tochter waren zu Hause. Das ist natürlich einschüchternd, wenn eine Gruppe vor deiner Haustür steht und anklopft, als würde sie dich gleich verprügeln und misshandeln wollen. Glücklicherweise konnten wir das klären. Niemand wurde verhaftet, niemand wurde über verbale Angriffe hinaus attackiert. Aber es gab einen Moment, da stellte sich heraus, dass ein paar Gemeinderäte – das sind Strukturen, die die Regierung geschaffen hat, in der Theorie um die Gemeinde zu organisieren, tatsächlich aber zu kontrollieren – in illegale Geschäfte verwickelt waren. Das war dann schon nicht mehr so harmlos.
»Ich bezweifle sehr, dass es in Venezuela bald wieder Zeitungspapier geben wird; ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass es zurückkommen wird.«
Worum ging es dabei?
Die Räte kümmern sich um die Verteilung von Gas, denn in Venezuela werden Gasflaschen verwendet. In einem Land, das über reichlich Gas verfügt, herrscht dennoch ein Mangel. Damals war die Knappheit besonders ernst, und jede Woche wurden die Preise für die Gasflaschen neu festgelegt. Ein Reporter schickte mir Informationen zu den Gaspreisen in seiner Gemeinde und ich dachte: »Ah, das nehme ich das in die Nachricht auf.« Die Gemeindevorsteherin hörte von dem Preis und sagte: »Dieser Preis stimmt nicht, ihr lügt.« Ich ging zu dieser Frau nach Hause und zeigte ihr die Nachricht, um mich zu erklären. Es stellte sich heraus, dass wir einen Korruptionsskandal aufgedeckt hatten, weil manche Räte mehr verlangten als den festgelegten Preis. Die Gemeindevorsteherin machte den Räten ordentlich die Hölle heiß.
Also eigentlich eine positive Erfahrung?
Es hätte auch in die andere Richtung eskalieren können. So ist das, wenn Leute ideologisch verblendet sind. Und die Vorsteherin war richtig wütend, das war bedrohlich und natürlich hat es sie gestört, dass die Oppositionellen sich einmischen – denn so sehen sie uns; wer Journalist ist und die Wahrheit aufdeckt, ist dem Chavismus schnell ein Dissident. Von der anderen Seite würden wir aber dasselbe zu hören bekommen. Der Journalist als solcher ist eine unbequeme Figur.
Seit Maduro 2024 wahrheitswidrig für sich reklamierte, die Wahl gewonnen zu haben, hat sich die Zensur deutlich verschärft. Wie sind Sie damit umgegangen?
Nach den Wahlen mussten wir einen Sicherheitskonzept erstellen, um unsere Reporter zu schützen, denn es war eine sehr ernste Situation; die Leute wurden wegen allem und nichts verfolgt. Einige Reporter mussten sich verstecken. Im Frühjahr 2025 sahen wir uns gezwungen, die Busfahrten vorübergehend einzustellen. Wir hatten über die niedrigen Löhne berichtet und die Frau eines Abgeordneten, die in dem Bus saß, hat die Reporterinnen gefilmt und das Video auf Twitter veröffentlicht. Dort ging es dann los damit, dass wir als Verräterinnen des Vaterlands bezeichnet wurden, denn wir würden mit Falschmeldungen zum Hass aufstacheln.
Wie erklären Sie sich, dass El Bus TV nicht einfach geschlossen wurde – Sie sind auf Instagram und natürlich kennt die Regierung das Projekt, oder?
Wie soll man etwas schließen, das sich ständig bewegt? Wir haben keine öffentliche Adresse und auch kein festes Büro. Mein Gesicht ist sehr präsent auf dem Instagram-Account, das ist heikel, vor allem jetzt, da wir wieder brisante Nachrichten veröffentlichen.
Was für brisante Nachrichten?
Nachrichten über Korruption, Festnahmen, politische Morde, Todesfälle in staatlichem Gewahrsam, Vorwürfe gegen das Stromversorgungssystem, Verhandlungen, die die USA mit Venezuela führen – das hatten wir zuvor schon lange nicht mehr gemacht. Ich erinnere mich, dass ich 2021 im Viertel Chapellín war und einen Flipchart zu den Waldbränden auf dem Ávila erstellt habe. Andere Medien haben das Thema aufgegriffen und angefangen, das detailliert darzulegen: »Es gibt so und so viele Brände, und das liegt an dem und dem, und die Feuerwehr hat dieses und jenes nicht.« Das war für Jahre das letzte Mal, dass wir etwas veröffentlicht haben, das so eine starke Wirkung hatte.
Ändert sich das nun?
Vor kurzem habe ich etwas über Alex Saab veröffentlicht, Maduros rechte Hand und ehemaliger Industrieminister, der wegen Korruption an die USA ausgeliefert wurde.
War das eine bewusste Entscheidung?
Ja, sogar eine gemeinsame Entscheidung von zehn unabhängigen venezolanischen Medien. Wir haben uns zusammengeschlossen, um diese Nachrichten zu verbreiten. Nach der Festnahme von Maduro hat sich quasi ein kleiner Raum geöffnet, um über diese Dinge zu sprechen.
Wie würden Sie diesen Raum beschreiben?
Nach fünf Monaten Winter sieht man langsam einen kleinen Lichtstrahl, so in etwa. Journalisten werden in Venezuela natürlich weiterhin überwacht, man folgt uns auf Schritt und Tritt. Es gibt weiterhin Ingewahrsamnahmen, immerhin keine Festnahmen. Wir passen weiterhin auf, was wir sagen und wie. Aber wenn man selbst an höchster Stelle positiv über die USA spricht, warum sollten wir nicht sagen dürfen, dass die USA cool sind?
Es ist also Zeit aufzuatmen?
Es ist nicht so, dass ich morgen einfach unbefangen loslegen und rausgehen werde, aber es gibt eine Veränderung. Man ist bei der journalistischen Arbeit ein kleines bisschen freier. Andererseits sind alle Journalisten, die inhaftiert waren, nur unter Auflagen freigekommen. Für sie heißt das, sie müssen weiterhin stillhalten. Und bemerkenswert ist, dass sie nach wie vor wegen derselben Vorwürfe angeklagt sind: Aufstachelung zum Hass, Verbreitung von Falschmeldungen, Landesverrat. Und viele Medien sind ja nicht erst seit 2024 gesperrt, bislang hat sich daran nichts geändert.
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