Jungle+ Artikel 02.07.2026
Nach Erdbeben: Wut und Trauer in Venezuela

Stille aus den Trümmern

Nach dem verheerenden Erdbeben in Venezuela werden inzwischen immer weniger Menschen noch lebend aus den Trümmern geborgen. Der Regierung werfen viele freiwillige Helfer vor, ihre Arbeit erschwert oder behindert zu haben, ohne dass effektive staatliche Hilfe geleistet worden wäre.

»Hier ist noch jemand am Leben.« – »Warum stehen Sie da mit Ihren Waffen, statt uns mit den Schaufeln zu helfen?« Solche Sätze hört man Überlebende und zivile Helfer in Videoaufnahmen aus La Guaira sagen. Die venezolanische Küstenstadt liegt knapp 30 Kilometer von der Hauptstadt Caracas entfernt. In keinem anderen Ort des Landes hat das Doppelerdbeben von Mitte vorvergangener Woche größeren Schaden angerichtet. Die Szenerie gleicht einem Kriegsschauplatz: 90 Prozent der Gebäude sind beschädigt, in einer Stadtregion mit 350.000 Einwohnern.

In den ersten Stunden nach dem Beben waren es vor allem Zivilisten, die umgehend damit begannen, Menschen mit bloßen Händen aus den Trümmern zu bergen, nur wenige staatliche Einsatzkräfte waren dabei.

Bis Redaktionsschluss meldete die venezolanische Regierung 1.719 Tote und etwa 5.000 Verletzte im ganzen Land. Inoffiziellen Schätzungen zufolge sind vermutlich mehrere Zehntausend Vermisste unter den Trümmern verschüttet. Mit jeder Stunde, die verstreicht, verstärkt sich der Verwesungsgeruch aus den eingestürzten Gebäuden. »Schon an der Einfahrt von La Guaira macht sich der Geruch bemerkbar und wird stärker, je näher man der Zone mit den größten Zerstörungen kommt«, sagt Sabrina Martínez, eine Frau, die sich der Jungle World als freiwillige Helferin vorstellt.

Am Sonntag teilte der Arbeiter-Samariter-Bund mit, dass das venezolanische Gesundheitsministerium seiner medizinischen Hilfseinheit die Einreise verweigert habe.

Seit Donnerstag voriger Woche hilft Martínez in La Guaira. Sie hat in dieser Zeit zahlreiche Leichen gesehen. Am Sonntag half sie bei der Bergung der Eltern eines jungen Manns, der seit Tagen in den Trümmern eines Gebäudes gegraben hatte, in der Hoffnung, sie lebend zu finden. Die Wahrscheinlichkeit, noch Lebende unter den Trümmern zu finden, ist eine Woche nach dem Beben nur noch gering.

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