02.07.2026
Hitzewelle die Zweite

Homestory #27/2026

Draußen ist es schon wieder heiß, auf Social Media tobt ein Shitstorm.

Der angeblich unaufhaltsame Siegeszug der »KI-Revolution« macht sich bei Ihrer Lieblingszeitung noch nicht bemerkbar. Die wird von Menschen gemacht, und die lassen sich leider nicht ganz so leicht kühlen wie Rechenzentren. Die Hitzewelle der vergangenen Woche, die viele das Leben kostete, Gleise verbog und Straßen aufriss, wogte auch über die Redaktion hinweg. Eine Kollegin erlitt einen Sonnenstich und musste erst mal das Bett hüten, eine andere musste trotz des Appells der Deutschen Bahn, »alle nicht dringend notwendigen Reisen im Fern- und Regionalverkehr« zu verschieben, eine Zugfahrt erdulden. Ein anderer Kollege will dagegen selbst bei weit über 30 Grad keine kurzen Hosen tragen – ihm sei einfach selten heiß, meint er.

Heimgesucht wurde unsere Redaktion außer von der Hitzewelle aber auch von einem »Scheißsturm«, wie man den beliebten Anglizismus ins Meteorologendeutsch übersetzen könnte

Andere Redaktionsmitglieder wünschen sich, in Frankreich zu sein. Dabei denken sie aber nicht an ihren kürzlichen Urlaub in Marseille, sondern hätten gerne die vigilance rouge. Unsere Nachbarn im Westen unterhalten immerhin ein Warn- und Maßnahmensystem bei Hitzewellen und die Regierung erkennt zumindest an, dass es sich bei der Hitze um ein Problem handelt, auf das staatlicherseits reagiert werden müsste. Diesseits des Rheins dagegen … nun ja.

Heimgesucht wurde unsere Redaktion außer von der Hitzewelle aber auch von einem »Scheißsturm«, wie man den beliebten Anglizismus ins Meteorologendeutsch übersetzen könnte. Ungewöhn­liche 2.000 Kommentare und über 3.700 Interaktionen auf Facebook hat ein Post Ihrer Lieblingszeitung bisher. Das kurze Interview zu den Haftbedingungen der laut Bundesverfassungsgericht rechtswidrig nach Ungarn überstellten und dort wegen eines Angriffs auf Neonazis zu acht Jahren Haft verurteilten Maja T. hat offenbar einen Nerv getroffen. Viele der 2.000 Kommentare zeigten den üblichen Mix aus schlechten transphoben Witzen, schiefen Vergleichen, Gewaltaufrufen und Vergewaltigungsphantasien, die man aus einschlägigen Kreisen in Hinsicht auf Antifaschisten und Nichtbinäre wie Maja T. erwartet. Aber auch wenn sich das Klima langfristig wandelt, haben der Shitstorm und die Sommerhitze doch eines gemeinsam: Sie gehen schneller vorbei, als man gefürchtet hatte.