Jungle+ Artikel 02.07.2026
Messerangriff von Neonazis in Göttingen

Antifa reformieren

Ein mutmaßlicher Messerangriff auf einen Antifaschisten in Göttingen zeigt, dass es eine neue Strategie im Umgang mit Rechtsextremen braucht.

Ein linker Student wurde in Göttingen am vorvergangenen Wochenende lebensgefährlich mit einem Messer verletzt. Als tatverdächtig gilt ein 17jähriger Rechtsextremist. Ob eine Notwehrsituation vorlag, ist Ermittlern zufolge noch offen. Der Rechtsanwalt des Schwerverletzten weist das zurück.

In mehreren Städten kam es zu antifaschistischen Demonstrationen in Solidarität mit dem Verletzten. In Göttingen gingen am Wochenende mehr als 1.000 Menschen auf die Straße. Trauer und Wut prägten die Demonstrationen. Die Reflexe in der aktionistisch-antifaschistischen Szene funktionieren also noch.

Doch sind die Reaktionen auf den Vorfall in Göttingen wohl vor allem das: Reflexe. Die Aktionsformen und die Parolen unterscheiden sich kaum von denen bei anderen Anlässen – etwa wenn Antifaschisten inhaftiert werden oder Hausdurchsuchungen in Szenetreffpunkten stattfinden. Dabei bedürfte es weit mehr als einer ritualisierten Empörung und Posen, die Militanz suggerieren sollen.

Das Gerede von den »Baseballschlägerjahren 2.0«, mit dem linksliberale Medien die rechtsextreme Gewalt zu beschreiben versuchen, wird den neuen Begebenheiten wenig gerecht. 

Es ist überraschend, dass es trotz der Formierung einer neuen Szene junger militanter Neonazis noch keine Todesopfer gab. Die Kombination aus der Ignoranz von Jugendlichen, die sich keine Gedanken über mögliche Konsequenzen machen, Kampfsporttraining, Bürgerkriegsphantasien, Bewaffnung und ideologischer Fanatisierung ist gefährlich.

Noch kein Abonnement?

Um diesen Inhalt zu lesen, wird ein Online-Abo benötigt::