Jungle+ Artikel 09.07.2026
Die Ausstellung »Inventing Queer Cinema« in Berlin

Im queeren Bilderwald

Die Deutsche Kinemathek Berlin zeigt mit »Inventing Queer Cinema« eine Ausstellung, die ihr Publikum garantiert mit Filmen in Berührung bringt, die es davor nicht kannte. Allerdings wird sie der explizit schwulen Geschichte des Kinos nicht immer ganz gerecht.

Wenn Kuratoren in Ausstellungstiteln ihrem Sujet das Wort »Inventing« voranstellen, offenbaren sie damit bereits eine gewisse inhaltliche Schlagseite. Die Proklamation, der vorgestellte Gegenstand sei als solcher eine Erfindung und damit eine immer auch fragwürdige Abstraktion aus der differenten Vielheit der Dinge, kommt mit konstruktivistischen und diskurstheoretischen Gepäck daher. Folgerichtig verzichtet der Begleittext der Ausstellung »Inventing Queer Cinema« in der Deutschen Kinemathek in Berlin auch nicht auf die redundante Feststellung, das queere Kino gebe es gar nicht. Die Begriffe offenzuhalten, kann einer Annäherung an den Gegenstand dienlich sein, die dabei mitschwingende Denunziation des begriffsbildenden Denkens kann jedoch auch den Blick für das Objekt trüben. In der Ausstellung, die derzeit am Ausweichstandort der Kinemathek um die Ecke vom Checkpoint Charlie gezeigt wird, geschieht beides.

Der weitläufige Bereich, der einen großen Teil der Halle ausfüllt, vermag einen sinnlichen Eindruck der Bilderwelt des queeren Kinos zu vermitteln.

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