Al-Obeid vor dem Sturm
Al-Obeid, die Hauptstadt der sudanesischen Provinz Nordkordofan, gehört derzeit zu den gefährlichsten Schauplätzen des Kriegs im Sudan, in dem die Milizenkoalition der sogenannten Rapid Support Forces (RSF) unter Mohammed Hamdan Dagalo alias Hemedti sich seit April 2023 einen Machtkampf mit den sudanesischen Streitkräften (SAF) unter Armeechef Abd al-Fattah al-Burhan liefert. Mehrere Berichte deuten darauf hin, dass die RSF im Kampf gegen die SAF ihre Positionen rund um die Stadt ausbauen, Drohnen einsetzen und gezielt Druck auf lebenswichtige Infrastruktur ausüben. Die SAF rüsten al-Obeid gleichzeitig zur Verteidigung auf. In der Stadt leben etwa 560.000 Menschen, hinzu kommen ungefähr 100.000 Binnenvertriebene. Die humanitäre Lage der Zivilbevölkerung verschlechtert sich täglich. Bei einem Fall der Stadt werden schwere Massaker an der Zivilbevölkerung befürchtet, wie sie die RSF im Vorjahr bereits bei der Eroberung al-Fashirs begingen und denen Zehntausende zum Opfer fielen. Internationale Hilfsorganisationen schlagen daher Alarm.
Die RSF belagern al-Obeid, da die Stadt das von den RSF gehaltene Darfur im Westen mit der von den SAF gehaltenen Hauptstadt Khartum und dem Niltal im Osten verbindet. Durch die Stadt führt zudem eine Ölpipeline aus dem seit 2011 unabhängigen Südsudan in Richtung der Hafenstadt Port Sudan, die überwiegend durch SAF-Gebiet verläuft. Somit ist die Stadt als logistischer Knotenpunkt für beide Kriegsparteien strategisch wichtig, vor allem für die Versorgung mit Treibstoff.
Mitgliedstaaten des UN-Sicherheitsrats warnten am 20. Juni vor Massenverbrechen und forderten die RSF auf, ihren Angriff auf al-Obeid zu beenden; eine Resolution wurde jedoch nicht verabschiedet.
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