Bunter Spuk gegen rechts
Eine Gruppe mit Regenbogenfahne wartet am Samstag in der Vormittagssonne am Bahnhof von Köthen auf die aus dem Zug steigenden Besucher, um sie sicher zum Marktplatz zu begleiten. Auch die Polizei ist schon da. Ich möchte schnell ins Geschehen und neige außerdem gelegentlich zu Wagemut. Also mache ich mich allein auf den Weg.
Es ist heiß, die Straßen sind leer. Die Stadt hat etwas Surreales, sie wirkt wie ausgestorben, als kündeten nur die Bauwerke davon, dass hier einst Menschen wohnten. Doch siehe da: In der vermeintlichen Geisterstadt kommt ein Mann die Straße entlang. Er scheint mit sich selbst zu reden. Bei näherer Betrachtung sieht man, dass er Kopfhörer trägt und telefoniert. Sein himmelblaues Shirt ziert ein AfD-Logo. Im Vorbeigehen knurrt er, in den Freibädern seien ja nur noch Kopftücher und »N*ger« zu sehen. Klischee olé. Ob es hier überhaupt ein Freibad gibt?
Es ist komplizierter, als es die Erzählung von der einheitlich braunen Provinz nahelegt.
Köthen hat rund 23.000 Einwohner und liegt im Landkreis Anhalt-Bitterfeld in Sachsen-Anhalt. Johann Sebastian Bach war hier Hofkapellmeister, die Hochschule Anhalt hat einen Standort. Bei der Stadtratswahl 2024 holte die AfD mehr als ein Viertel der Stimmen. Der Landkreis wird von einem CDU-Landrat, Andy Grabner, geführt, Oberbürgermeisterin von Köthen ist Christina Buchheim von der Linkspartei. Es ist also komplizierter, als es die Erzählung von der einheitlich braunen Provinz nahelegt.
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