Jungle+ Artikel 15.07.2026
Der Beginn der Tokioter Prozesse jährt sich zum 80. Mal

Japans Nürnberg?

Die Tokioter Prozesse (1946–1948) gelten als das asiatische Gegenstück zu den Nürnberger Prozessen. In Japan wurden sie wenig aufgearbeitet. Das dortige Verteidigungsministerium präsentiert auf der »Ichigayadai-Tour« seine Sicht der Dinge.

Die beiden weiblichen Guides des japanischen Verteidigungsministeriums sind streng: Man möge im militärischen Sicherheitsbereich eng zusammenbleiben. Die Besuchergruppe aus etwa zwei Dutzend Einheimischen und einigen wenigen Ausländern wird auf der geführten »Ichigayadai«-Tour auch den Saal besichtigen, in dem vor achtzig Jahren das Gerichtsverfahren über japanische Kriegsverbrechen stattfand. Genauer gesagt: eine originalgetreue Replik des Saals auf dem heutigen Gelände des Verteidigungsministeriums im Stadtteil Ichigayadai. Der echte Saal, in dem 1948 nach zwei zähen Verhandlungsjahren sieben Todesurteile und 18 (lebens)lange Haftstrafen ausgesprochen wurden, befand sich im Tokioter Stadtteil Roppongi im mittlerweile abgerissenen Gebäude der Kaiserlich-Japanischen Heeresakademie, das modernen Bürogebäuden weichen musste.

Von den Kriegsgräueln wird bei der Führung dann aber keine Rede sein, nicht von den japanischen Kriegsverbrechen, nicht von den Verbrechen gegen die Menschheit, die japanische Militärs während des Zweiten Weltkriegs begingen. Denn eines steht hier nie in Frage: die Kontinuität der japanischen Armee von der kaiserlichen Militärakademie des 19. Jahrhunderts über das Hauptquartier der Armee in der militaristischen Hochzeit der 1920er bis 1940er Jahren bis zu den nach 1945 einzig noch erlaubten Selbstverteidigungsstreitkräften, deren Präsentation aller drei Waffengattungen später den Abschluss des Rundgangs bilden wird.

Die »Tokyo Trials« werden weder in der offiziellen japanischen Geschichtspolitik noch der allgemeinen Erinnerungskultur des Landes berücksichtigt

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