Jungle+ Artikel 16.07.2026
Streit um die Vertriebenen

Tschechische Antideutsche und deutsche Antitschechen

Zwischen den tschechischen Rechtspopulisten von der dortigen SPD und der deutschen AfD herrscht erbitterter Streit. Anlass war ein Treffen der sudetendeutschen Landsmannschaft in Tschechien. Der deutsche Revanchismus ist ein entscheidendes Hindernis bei der Zusammenarbeit der AfD mit rechten Parteien vor allem in Tschechien und Polen.

Der Auftritt des Präsidenten des tschechischen Abgeordnetenhauses, Tomio Okamura, auf dem ersten »Demokratie-Kongress« der »Alternative für Deutschland« (AfD) Ende Juni sorgte bereits vor der Veranstaltung für große Aufregung innerhalb der Partei. Die deutschnationale Wochenzeitung Junge Freiheit bezeichnete den in Japan geborenen Politiker als »Vertriebenen-Hasser«. Die Vorsitzende der der AfD nahestehenden Desiderius-Erasmus-Stiftung, Erika Steinbach, sprach sich auf dem Microblogging-Dienst X ebenfalls gegen die Teilnahme von Okamura aus. »Die jetzigen Töne durch den Gast der Fraktion« seien »ein krasser Rückschritt«, sagte sie.

Hintergrund für die Ablehnung des Auftritts von Okamura sind seine Äußerungen im Zusammenhang mit dem Treffen der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Brno im Mai dieses Jahres. Die erstmals nicht in Deutschland, sondern in Tschechien abgehaltene Veranstaltung der Vertriebenenorganisation wurde im östlichen Nachbarland eher irritiert aufgenommen. Okamura sprach von »Nazi-Nachfahren«, deren Treffen in Tschechien eine »himmelschreiende Schande« sei. Wenn die Sudetendeutschen Versöhnung wollten, sollten sie Reparationen zahlen.

Der völkische Flügel der AfD ist skeptisch gegenüber paneuropäischer Zusammenarbeit, vor allem mit osteuropäischen Parteien, seien sie auch ideologisch ähnlich.

Die ultrarechte Partei Freiheit und direkte Demokratie (Svoboda a přímá demokracie; SPD), die Okamura 2015 gegründet hatte, stellte sich an die Spitze des Protests. Sie setzte gemeinsam mit den beiden Regierungskoalitionären von der Autofahrerpartei und der rechtspopulistischen ANO des Ministerpräsidenten Andrej Babiš im Parlament eine Resolution durch, die sich gegen das Vertriebenentreffen aussprach. Doch trotz all der negativen Reaktionen konnte das Treffen in Brno ohne größere Störungen stattfinden.

Noch kein Abonnement?

Um diesen Inhalt zu lesen, wird ein Online-Abo benötigt::