Das Klo wird gefeiert
Wer die Feuilletondebatten der letzten Monate verfolgt, weiß sofort, was es mit dem Sammelband »Die Damentoilette« auf sich hat, auch wenn sich die Herausgeberin Friederike Schilbach nicht dazu hinreißen lässt, den Namen des Fernsehliteraturpapstes Denis Scheck zu erwähnen. Lediglich der Blurb von Sophie Passmann, »Geschnatter auf der Damentoilette für immer«, auf dem Buchrücken ist ein dezenter Hinweis auf den Stein des Anstoßes: Ildikó von Kürthy kondensiere in ihrem Bestseller »Alt genug« »Nachrichten aus der Schnatterzone einer Damentoilette auf einer Hochzeit«, hatte der Kritiker geschnaubt und damit eine Debatte über Misogynie in der Literaturkritik ausgelöst.
Es geht um Solidarität, die sich im ältesten safe space der Kulturgeschichte ereignet.
Statt sich weiter damit abzumühen, würdigen 22 Autor:innen jetzt den verspotteten Raum als einen literarischen und kulturellen Topos. Das Klo wird ordentlich gefeiert! Es geht um Solidarität, die sich im ältesten safe space der Kulturgeschichte ereignet. Aber auch gesellschaftliche Machtverhältnisse will das Buch in den Blick nehmen, was allerdings kaum gelingt, dazu schreiben die zumeist erfolgreichen Autor:innen viel zu subjektiv. Katja Eichinger aber beweist in einer pop-poetischen Hommage an die Ausgehkultur Mitte der Neunziger in L.A. einen wunderbar filmischen Blick auf den Raum, der für sie der »beste Ort für einen Nervenzusammenbruch« ist. Gabriele von Arnim macht sich Gedanken über das Interieur von Boudoirs und »Toledden«. Mit rotzigem Witz zählt Marlene Sørensen »27 Dinge, die ich auf der Damentoilette gelernt habe« auf. Dazu gehört, die Fähigkeit, knapp zu formulieren: »›M + O Forever‹, Schultoilette, sechste Klasse«. Aber auch die Fähigkeit, mit Enttäuschungen fertig zu werden: »›O ist ein Penis‹, Schultoilette, zwei Wochen später«. Nimm das, Scheck! Weniger aufgeschwemmt kann man eine Liebesgeschichte wirklich nicht erzählen.

Friederike Schilbach (Hg.): Die Damentoilette. Ullstein, Berlin 2026, 160 Seiten, 20 Euro