Der Kampf um den Kuchen
Ein Ort für Hochzeitsfeiern, Seminare und Schlammschlachten: In einer etwas vollmundig »Eventzentrum NRW« genannten Halle neben den Bahngleisen in Marl-Sinsen am Nordrand des Ruhrgebiets wählte die AfD an zwei Wochenenden im Juli ihre Landesliste für die im April kommenden Jahres stattfindende Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. 82 Namen stehen auf der von Martin Vincentz angeführten Liste. Vincentz will als Bewerber um das Amt des Ministerpräsidenten in den Wahlkampf ziehen und gegen den Amtsinhaber Hendrik Wüst (CDU) antreten.
In Wahlumfragen liegt die Partei mit 17 bis 20 Prozent knapp vor der SPD oder gleichauf mit ihr. Sie hat gute Chancen, im April 2027 ihr Landtagswahlergebnis von 2022 in Höhe von 5,3 Prozent mehr als zu verdreifachen. Angesichts dieser Aussichten hätte man davon ausgehen können, dass der Parteitag harmonisch verlaufen würde.
Je größer der Kuchen wird, umso unerbittlicher wird um seine Stücke gekämpft: um gut bezahlte Mandate, Stellen für Freunde und die Sicherung der eigenen wirtschaftlichen Existenz.
Das Gegenteil war der Fall: Persönliche Beleidigungen und heftige Streitereien auf offener Bühne prägten die Versammlung, der ein Rechtsstreit mit dem Bundesvorstand um die Parteivorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla folgte. Der Konflikt hatte sich daran entzündet, dass eine Strömung im Landesverband, die vom Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich angeführt wird, nur einen kleinen Teil der Listenplätze ergattern konnte. Dieses Lager versuchte deshalb, den Parteitag zu stören und zu blockieren, etwa indem bei der Vergabe des Listenplatzes 22 nahezu 100 Kandidaten aufgestellt wurden.
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