30.07.2026
Das rechte Interesse am CSD-Anschlag

„Wir wollen sehen, ob der wirklich tot ist“

Leichensack, Blaulicht, Schaulustige. Wie sich rechte Influencer nach dem CSD-Anschlag als die besseren Journalisten inszenieren.

Livestreams sind mittlerweile bei Rechten als Mittel zum Ideologietransport sehr beliebt. Und so berichtete auch ein in Teilen nach einer Obstsorte benannter rechter Verschwörungs-Streamer Stunden nach dem Terroranschlag auf den CSD live. Konkret: Zusammen mit seinem Kameramann und einem Kumpel lief er auf den Straßen entlang des von der Polizei abgesperrten Gebiets hin und her, was die Fans im Chat sehr erfreute, schließlich sei Berichterstattung wichtig, damit nichts vertuscht werden könne. Footage für den Verschwörungsglauben. Außer Blaulicht, Einsatzkräften und ein paar Schaulustigen gab es zwar streng genommen nichts abzufilmen, aber egal.

Außer Blaulicht, Einsatzkräften und ein paar Schaulustigen gab es zwar streng genommen nichts abzufilmen, aber egal. 

Hin und wieder fand sich während der Wanderung durch den Ortsteil Tiergarten dann doch jemand, der gern interviewt werden wollte. Und nicht ahnte, dass der als seriöser Journalist auftretende Streamer schnell zu seinem eigentlichen Thema kommen würde, nämlich der AfD. Nur die könne nämlich Terror und Zuwanderung beenden, jaha, und wäre es nicht spätestens jetzt an der Zeit, dass das endlich alle einsehen?  Nö. Schade, dann halt noch ein paar Bilder von herumliegendem Müll machen, um der Welt zu zeigen, wie unordentlich das CSD-Publikum ist. 

Am nächsten Abend sollte ein weiterer rechter Streamer das Livestream-Genre perfektionieren. „Ich steh jetzt grad voll im Regen“, berichtet der Mann, während seine Handykamera die weitgehend im Dunkeln liegende Laubenkolonie in Berlin-Spandau zeigt, in der der mutmaßliche Terrorist Abdul B. Stunden zuvor von der Polizei erschossen worden war. Zuvor war dem Streamer eine Aufnahme der abgedeckten Leiche gelungen. Und nun wartet er auf den Abtransport des Toten, weil „wir wollen sehen, ob der wirklich tot ist oder ob es eine Attrappe ist“. Ob der Mann wirklich davon ausgeht, dass die Gerichtsmedizin Leichen unverpackt durch die Gegend trägt, bleibt zunächst unklar, denn es regnet weiter, aber er hat – im Gegensatz zur Antifa, wie er betont – keinen Regenschirm und die Schuhe werden „bis morgen auch nicht trocken“. Gut, er hätte seine Jacke aus dem Auto holen können, aber „ich darf mich nicht von der Stelle hier wegbewegen, das ist zu wichtig.“ 

Und dann wird ein Leichensack auf einer Bahre zum Auto der Gerichtsmedizin gerollt und der Streamer geht Döner essen. Unabhängiger Journalismus. So wichtig.