Bist du Autist?«, fragt mich ein junger Mann mit Schnäuzer ganz ironiefrei und sachlich, als er sich zu mir herunterbeugt. Ich sitze auf einem Campinghocker am Rand der Bülowstraße, wo die Christopher-Street-Day-Demonstration vorbeizieht. Stoisch zeichne ich, umringt von Tausenden tanzenden, halbnackten Leuten, von denen mich immer wieder welche von hinten anrempeln: freundlich anrempeln, unheimlich fröhlich, nett, betrunken und laut.
Selten wurde ich beim Zeichnen so oft angesprochen, aber ich sitze hier auch wie auf dem Präsentierteller.
»Bist du Autist?«
»Nein, gar nicht«, antworte ich. »Das ist überhaupt kein Zauberwerk. Ich sitze schon zwei Stunden hier, habe rechts mit dem U-Bahnhof angefangen, als die Straße noch leer war, und jetzt füge ich immer mehr Leute dazu, so wie ich es empfinde.«
»Aha. Toll«, sagt er, lächelt und ist auch schon wieder in der Menge verschwunden.
Selten wurde ich beim Zeichnen so oft angesprochen, aber ich sitze hier auch wie auf dem Präsentierteller.
Julia ist sogar direkt auf die Straße gegangen und zeichnet stehend vor den Wagen. Die Sonne scheint, die Stimmung ist super. Am frühen Abend gehen wir erschöpft und zufrieden nach Hause.
Das war alles davor.