30.07.2026
Die dubiosen Großspender von Reform UK

Farage gegen den Mülleimer

Nigel Farage, der Anführer der rechtspopulistischen Partei Reform UK, geriet wegen nicht gemeldeter millionenschwerer Spenden dubioser Krypto-Unternehmer in die Bredouille. Sein Versuch, sich durch Aufgabe seines Parlamentsmandats und eine Neuwahl aus der Affäre zu ziehen, scheint nach hinten loszugehen.

Nigel Farage, der Vorsitzende der rechts­populistischen Partei Reform UK, befindet sich derzeit im Wahlkampf gegen den »unabhängigen Weltraumkrieger« Count Binface. Der Scherzkandidat mit einem Helm in Form eines Mülleimers ist die Wahlempfehlung einiger britischer Zeitungen bei der Nachwahl im Wahlkreis Clacton am 13. August. Diese wurde nötig, weil der skandalgeplagte Farage, der den Wahlkreis bislang im Unterhaus vertreten hatte, sein Parlamentsmandat aufgegeben hatte mit dem Ziel, sich in einer Neuwahl als Opfer des Establishments zu profilieren und den Parlamentssitz erneut zu gewinnen. Die großen Parteien verweigerten jedoch die Farce und stellten keine eigenen Kandidaten auf.

Der jüngst vom Amt des Premierministers zurückgetretene Keir Starmer von der sozialdemokratischen Labour-Partei empfahl, Wahlstimmen »in den Mülleimer zu werfen«, der neue Premierminister Andy Burnham sprach vom »Mülleimertag«. Selbst die konservative Parteivorsitzende Kemi Badenoch sagte, Binface könne eher als Kandidat des Volkes gegen das Esta­blishment gelten als Farage.

Normalerweise präsentiert sich der Rechtspopulist Farage als vermeintliche Stimme des Volkes gegen die etablierten Parteien. Doch seit einigen Monaten scheint ihm sein politisches Gespür abhandengekommen zu sein.

Normalerweise präsentiert sich der Rechtspopulist Farage, der sich gerne mit einem Pint Bier und einer Zigarette ablichten lässt, als vermeintliche Stimme des Volkes gegen die etablierten Parteien. Doch seit einigen Monaten scheint ihm sein politisches Gespür abhandengekommen zu sein.

Großspenden an Farage und Reform UK

Farages Misere begann, als der Guardian vor drei Monaten publik machte, dass er im April 2024 einen Betrag von fünf Millionen Pfund (circa 5,7 Millionen Euro) vom britisch-thailändischen Milliardär Christopher Harborne angenommen hatte, ohne diese Spende im Parlament zu deklarieren. Farage zufolge hatte es sich bei der außerordentlich hohen Spende um ein Geschenk »rein privater Natur« gehandelt, welches er nicht zu deklarieren brauchte, da er es vor seiner Wahl zum Abgeordneten erhalten hatte. Diese Argumentation war nicht nur scheinheilig, sondern auch falsch. Abgeordnete sind angehalten, alle Einkünfte zu deklarieren, die sie in den zwölf Monaten vor einer Wahl erhalten haben; Farage war im Juli 2024 für den Wahlkreis Clacton ins Unterhaus gewählt worden.

Farages Verhältnis zu Geld ist durchaus einen näheren Blick wert. Vor der Parlamentswahl 2024 hatte er noch mit Überlegungen kokettiert, ob er sich überhaupt zur Wahl aufstellen lassen wolle, da eine Beschäftigung in der Politik nicht einträglich genug sei. Im US-amerikanischen Maga-Podcast »Ash Wednesday«, der im Rahmen der Show »Louder with Crowder« läuft, meinte Farage damals: »In der Politik kann man kein Geld verdienen, wenn man ehrlich ist.«

Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits die Spende seines Freundes Harborne erhalten, die ihm seine Entscheidung für eine Abgeordnetenkarriere erleichtert haben mag. Harborne, der in Thailand lebt, ist der größte Geldgeber von Reform UK. Einen großen Teil seines Vermögens hat er mit Geschäften mit Kryptowährungen gemacht; Reform UK ist die Partei in Großbritannien, die sich wohl am stärksten für die Deregulierung des Handels mit Kryptowährungen einsetzt.

Aufgrund von Farages nicht angegebener Spende leitete der Ethikausschuss des Parlaments im Mai eine Untersuchung gegen Farage ein. Seitdem begegnet der sonst so joviale Reform-Vorsitzende den Medien merklich reizbarer. Bei früheren Anschuldigungen konnte er sich häufig als Opfer eines vermeintlichen Polit-Establishments inszenieren. Doch Farages lückenhafte Rechtfertigungen für seine Spende und die Tatsache, dass es sich um eine so bemerkenswert hohe Summe handelte, haben stark an seinem Image gerüttelt, was zum schlechten Abschneiden von Reform bei der Nachwahl Mitte Juni in Makerfield beigetragen haben dürfte.

Bei seiner Wahl 2024 wurden Farages Social-Media-Team und seine Personenschützer von dem bereits wegen Betruges verurteilten Krypto-Spekulanten George Cottrell bezahlt. Dieser stellte Farage außerdem ein Stadthaus in der Nähe des Buckingham Palace zur Verfügung, das der Politiker weiterhin nutzt. 

Anfang Juli konnte die Sunday Times mit einer weiteren Enthüllung aufwarten: Bei seiner Wahl 2024 wurden Farages Social-Media-Team und seine Personenschützer von dem bereits wegen Betruges verurteilten Krypto-Spekulanten George Cottrell bezahlt. Der junge Aristokrat stellte Farage außerdem ein Stadthaus in der Nähe des Buckingham Palace zur Verfügung, das der Politiker weiterhin nutzt. Farage hatte keine dieser Begünstigungen deklariert.

Cottrell ist erst 32 Jahre alt, gehört jedoch schon seit mindestens zehn Jahren zu Farages Entourage. Auf vielen Fotos von Farage kann man ihn im Hintergrund sehen, obwohl er kein offizielles Amt bei Reform UK bekleidet. Als Farage und er 2016 in die USA reisten, wurde Cottrell festgenommen und im Jahr danach wegen Betruges zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Denn Cottrell, der in der Londoner Finanzwelt arbeitete, hatte im Darknet Drogenhändlern seine Hilfe bei Geldwäsche angeboten.

Der 32jährige ist zudem Krypto-Unternehmer; er ist einer der Hauptverantwortlichen der Website Tether.bet, auf der man mit Kryptowährungen Glücksspiel betreiben kann. Dem Bericht zufolge schenkte der britische Milliardär und spätere Schatzmeister von Reform UK, Nick Candy, Cottrell damals ein Haus im Wert von 8,5 Millionen Pfund. Dass diese Verbindungen Farages bei der desillusionierten britischen Arbeiterschicht gut ankommen, um die er gerne wirbt, ist zu bezweifeln.

Am 7. Juli berichtete der Guardian, Bankiers hätten der britischen Polizei die Überweisung von Harbornes Fünf-Millionen-Pfund-Spende gemeldet, schon kurz nachdem Farage diese erhalten hatte. Es bestand der Verdacht auf Geldwäsche, da das Geld nicht ausreichend zurückzuverfolgen war. Am selben Tag gab Farage sein Mandat als Abgeordneter im Unterhaus auf. Das löste eine Neuwahl in seinem Wahlkreis Clacton aus, zu der Farage sich umgehend aufstellte. Ganz seiner Selbstwahrnehmung als Volkstribun entsprechend, erklärte der Populist, dass »die Menschen in Clacton die Richter über mein Handeln sein sollen«. Der Rücktritt hatte für Farage den angenehmen Nebeneffekt, dass die Untersuchung des parlamentarischen Ethikausschusses nun erst einmal pausiert ist.

Die anderen großen Parteien – Labour, die Konservativen, die Liberal Democrats und die Grünen – reagierten jedoch spöttisch auf den Rücktritt und erklärten, dass sie Farages Farce nicht unterstützen wollten und keine Kan­di­dat:in­nen in Clacton aufstellen würden. Farages aussichtsreichster Gegenkandidat ist nun der Scherzkandidat Count Binface.

Zwar gilt Farages Wahlsieg im als Sprungbrett für rechte Politikerkarrieren bekannten Clacton als relativ sicher. Der Imageschaden für ihn und seine Partei infolge des Spendenskandals und der Albernheit des Wahlkampfs ist jedoch beträchtlich. In den Wahlumfragen sank Reform UK von 30 Prozent Ende letzten Jahres auf 24 Prozent, hinter der regierenden Labour-Partei.