Gangster im Großraumbüro
Kamjanske/Dnipro. Als Zentrum des Callcenter-Betrugs in der Ukraine muss Dnipro gelten, die Hauptstadt der Oblast Dnipropetrowsk. Im Februar teilte der Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko mit, es seien an einem Tag bei Durchsuchungen in Dnipropetrowsk 27 Callcenter mit mehr als 1.500 Arbeitsplätzen aufgedeckt worden, die im gewerbsmäßigen Telefon- und Cyberbetrug tätig gewesen seien. Nur zwei Monate zuvor hatte die ukrainische Justiz im Rahmen der internationalen »Operation Connect« unter Beteiligung von Eurojust, der EU-Agentur für Justizkooperation in Strafsachen, ein kriminelles Netzwerk zerschlagen, das Callcenter in Dnipro, Kiew und Iwano-Frankiwsk betrieben hatte. Nach Angaben der Ermittler wurden rund 400 Bürger der Ukraine und der EU betrogen, der Schaden habe sich auf über 10 Millionen Euro belaufen. Das Netzwerk habe seine Angestellten unter anderem aus Tschechien, Litauen und Lettland rekrutiert. Diese hätten sich gegenüber ihren Opfern als Polizisten oder Vertreter von Banken ausgegeben, um sie zu überzeugen, ihre Kontoinformationen herauszugeben oder Geld von ihren angeblich kompromittierten Konten zu überweisen. Einige Opfer seien dazu verleitet worden, Software zu installieren, die den Betrügern Zugang zu ihren Bankkonten verschaffte.
Nach Angaben der ukrainischen Staatsanwaltschaft wurden allein im vergangenen Jahr 277 solcher Callcenter geschlossen, davon 69 in Dnipro. In der zweiten Jahreshälfte führten die Strafverfolgungsbehörden mehr als 800 Durchsuchungen durch und beschlagnahmten über 25.000 Geräte. All das zeugt jedoch weniger von einem Sieg der Justiz als vom Ausmaß des Phänomens. Geschlossene Center werden schnell durch neue ersetzt.
Nach dem Zusammenbruch der UdSSR entwickelte sich Dnipro zu einem der wichtigsten Finanzzentren der Ukraine. Gleichzeitig blieb Dnipro jahrzehntelang eines der Zentren der Schattenwirtschaft.
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