Jetzt mehr denn je
Am 30. Juni versammelten sich am Frankfurter Flughafen mehr als 160 Athletinnen und Athleten aus 13 verschiedenen Sportarten, rund die Hälfte davon Juniorinnen und Junioren. In einheitlichen roten Jacken, gelben Shirts und schwarzen Hosen machten sie sich auf den Weg nach Israel, um Deutschland bei den Maccabiah Games zu vertreten.
Damit stellte Makkabi Deutschland die drittgrößte Delegation der gesamten Makkabiade hinter den Vereinigten Staaten – mit rund 800 Sportlerinnen und Sportlern – und Israel. Der Gastgeber hatte mit rund 2.000 Athletinnen und Athleten die mit Abstand größte Delegation. Unter ihnen befanden sich auch Verletzte und Überlebende des Terrorangriffs vom 7. Oktober, die in den paralympischen Disziplinen teilnahmen und damit ein bewegendes Zeichen für Mut, Widerstandskraft und die verbindende Kraft des Sports setzten.
Die Makkabiade ist ein olympiaähnlicher Wettbewerb, der alle vier Jahre stattfindet. Ihr Ziel ist es, in Israel jüdische Sportler aus aller Welt zusammenzubringen.
Am 14. Juli traf sich die Delegation erneut, diesmal am Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv, um die Heimreise anzutreten. Im Gepäck hatte sie insgesamt 128 Medaillen: 20 Gold-, 33 Silber- und 75 Bronzemedaillen.
Damit konnte das deutsche Team seine Ausbeute im Vergleich zur vergangenen Makkabiade im Jahr 2022 mehr als verdoppeln. Damals gewann Deutschland 51 Medaillen: 10 Gold-, 17 Silber- und 24 Bronzemedaillen. Bei den diesjährigen Spielen handelte es sich um die 22. Auflage der Makkabiade. Die erste Austragung fand 1932 in Eretz Israel statt, das damals noch unter britischer Mandatsherrschaft stand. Die Makkabiade ist ein olympiaähnlicher Wettbewerb, der alle vier Jahre stattfindet. Ihr Ziel ist es, in Israel jüdische Sportler aus aller Welt zusammenzubringen, von Argentinien bis Kasachstan.
Nach monatelanger großer Vorfreude und ebenso unermüdlicher Vorbereitung waren beim Organisationsteam Makkabi Deutschland Ende Juni alle erleichtert, dass die Reise tatsächlich losgehen konnte.
»Es ist für mich wirklich eine große Ehre. Nach so langer Zeit und so viel Arbeit fliegen wir nun endlich nach Israel und können gemeinsam mit Jüdinnen und Juden aus aller Welt an diesem besonderen Ereignis teilnehmen. Ich bin stolz, sagen zu können, dass wir die größte Delegation Europas stellen«, so Ari Leibovici, der Technische Leiter der Delegation von Makkabi Deutschland.
Verbindung jüdischer Gemeinden mit Israel
»Ein großes Dankeschön gilt auch dem Sicherheitsteam in Israel, das eng mit uns zusammengearbeitet hat und jederzeit erreichbar war. Viele Entscheidungen und Änderungen mussten in letzter Minute getroffen werden. So wurden beispielsweise die Juniorinnen und Junioren, die während der Maccabiah normalerweise im Norden in Haifa untergebracht sind, aufgrund der anhaltenden bedrohlichen Lage im Libanon in Hotels im Zentrum des Landes verlegt«, ergänzte Ari.
Auch die Wettkämpfe selbst wurden dieses Jahr auf weniger Austragungsorte konzentriert. Einige Wettbewerbe fanden zwar außerhalb Zentralisraels statt, etwa im Norden, in Nazareth und Caesarea, sowie weiter südlich, in Jerusalem. Der größte Teil der Veranstaltungen wurde jedoch im Großraum Tel Aviv ausgetragen.
»Now More Than Ever« lautete das Motto der diesjährigen Maccabiah Games. Auf der Website der Spiele hieß es, das Motto wolle »die Stärke der Einigkeit und die Wichtigkeit der Verbindung jüdischer Gemeinden mit Israel« hervorheben. Der starke Anstieg antisemitischer Angriffe in Deutschland und weltweit sowie das Gefühl, von großen internationalen Organisationen im Stich gelassen zu werden, während Raketen auf israelische Zivilistinnen und Zivilisten abgefeuert werden, hätten vielen Jüdinnen und Juden das Gefühl vermittelt, schutzlos und allein zu sein. Die Angriffe wurden oft geradezu gleichgültig aufgenommen, manche verharmlosten sie oder rechtfertigten sie sogar. Gerade deshalb war es wichtiger denn je, dass Jüdinnen und Juden Trost, Zusammenhalt und Solidarität beieinander finden.
Weniger Teilnehmende als sonst
Obwohl die Makkabiade für viele jüdische Sportlerinnen und Sportler – sowohl Profis als auch Hobbysportler – einen besonderen Höhepunkt darstellt, fiel die Zahl der Teilnehmenden in diesem Jahr deutlich niedriger aus als erwartet. Rund 5.000 Athletinnen und Athleten traten in 32 Sportarten an. Ursprünglich waren etwa 8.000 Teilnehmende erwartet worden. Selbst diese Zahl wäre geringer gewesen als bei der vergangenen Makkabiade im Jahr 2022, die wegen der Covid-19-Pandemie von 2021 verschoben worden war. Damals nahmen rund 10.000 Athletinnen und Athleten an Wettbewerben in 47 Sportarten teil.
Viele entschieden sich gegen eine Teilnahme, weil sie das Sicherheitsrisiko als zu hoch einschätzten. Zahlreiche Eltern waren zudem unsicher, ob sie ihre Kinder in ein Land reisen lassen sollten, das sich unversehens erneut in ein Kriegsgebiet mit allen Risiken verwandeln könnte.
»Ich weiß, dass es Schutzräume gibt und Israel sich um seine Bevölkerung kümmert, aber meine Familie besteht darauf, dass ich nicht fahre«, sagte eine erwachsene Sportlerin aus Heidelberg, die auf ihre Teilnahme verzichtete. Rund vierzig Sportlerinnen und Sportler aus Deutschland hatten ihre geplante Teilnahme aus Sicherheitsbedenken abgesagt. Seit dem 7. Oktober 2023 und den seither erfolgenden Angriffen aus Iran, dem Libanon, und dem Jemen herrscht in ganz Israel ein anhaltendes Gefühl von Unsicherheit.
Die Maccabiah Games hätten eigentlich bereits im Juli des Vorjahres stattfinden sollen. Sie wurden jedoch verschoben, nachdem im Juni im sogenannten Zwölftagekrieg der Iran und Israel sich gegenseitig bombardiert hatten. Auch in diesem Jahr blieb die Lage angespannt, da der erneute Krieg zwischen dem Iran, den USA und Israel, der Anfang des Jahres begonnen hatte, gerade erst durch eine wacklige Waffenruhe unterbrochen worden war. Während der Makkabiade griff der Iran Jordanien an, das an Israel grenzt. Die Raketen drangen jedoch nicht in den israelischen Luftraum ein, so dass es während der Spiele zu keinem Raketenalarm kam.
»Dutzende Athletinnen und Athleten hätten mit uns kommen sollen, aber unsere Regierung hat das Reiseverbot erst wenige Tage vor dem Abflug aufgehoben«, sagte der Leiter der australischen Delegation enttäuscht bei der Eröffnungsfeier. Nur 14 Australierinnen und Australier hatten sich innerhalb dieser kurzen Frist noch anmelden können.
»Now More Than Ever« lautete das Motto der diesjährigen Maccabiah Games. Auf der Website der Spiele hieß es, das Motto wolle »die Stärke der Einigkeit und die Wichtigkeit der Verbindung jüdischer Gemeinden mit Israel« hervorheben.
Während der zwei Wochen, in denen die Spiele stattfanden, blieb die Lage dennoch vergleichsweise ruhig, die Wettbewerbe konnten wie geplant und ohne größere Zwischenfälle ausgetragen werden.
Die erfolgreichsten deutschen Athletinnen und Athleten waren die Tischtennisspielerinnen und Tischtennisspieler. Sie gewannen insgesamt 37 Medaillen in vier Kategorien: Mannschaft, Doppel, gemischtes Doppel und Einzel. Der größte Erfolg der Makkabiade waren jedoch die Freundschaften, die zwischen Jüdinnen und Juden aus aller Welt entstanden. Auf dem Spielfeld, am Strand, beim Frühstück im Hotel und bei vielen anderen Begegnungen lernten sich die Teilnehmenden kennen und knüpften neue Kontakte.
Auch Alon Meyer, der Präsident von Makkabi Deutschland, begleitete die Athletinnen und Athleten zu den Spielen. Von den Tribünen aus feuerte er sie begeistert an und motivierte die gesamte Delegation. Für seinen langjährigen Einsatz zur Förderung jüdischen Lebens in Deutschland wurde Meyer kürzlich mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.
Auch er betonte am Ende der diesjährigen Spiele: »Trotz der aktuellen Sicherheitslage und der Unsicherheit haben wir den Glauben nie verloren, und am Ende haben sich Einsatz, Zusammenhalt und Beharrlichkeit ausgezahlt.« Und er sagte im Hinblick auf die »ganz besonders emotionale und gelungene Würdigung der Opfer des Olympiade-Attentats von 1972 in München«, dass eine Zukunft ohne den Blick in die Vergangenheit nicht möglich sei.