30.07.2026
Die ältesten Namen der Welt

Und Sie sind?

Seit die Menschen schriftliche Spuren hinterlassen, erwähnen sie auch Personen bzw. deren Namen. Wer diese Leute waren, können wir heute nur erahnen.

Namen sind bekanntlich Schall und Rauch – allerdings verhält es sich mit ihnen ein wenig wie mit Fossilien: Nur wenige überdauern die Zeiten, doch ein winziger Bruchteil bringt es zu einem mehr oder minder prominenten Nachleben.

Zumeist waren es mächtige Menschen, die in Form von Inschriften oder Tontafeln verewigt wurden, doch mal ehrlich: Wer hat schon einmal von Pharao Iri-Hor aus dem 32. Jahrhundert v. Chr. gehört, oder von der Priesterin En-hedu-anna, die um 2.300 v. Chr. im sumerischen Ur lebte und als erste:r namentlich bekannte:r Dichter:in überhaupt gilt?

Umstritten ist, welches der älteste überlieferte Name überhaupt ist. 18 sumerische Tontafeln zur Verwaltung von Getreide, die grob auf eine Zeit zwischen 3.400 und 3.000 v. Chr. datiert werden, tragen die Signatur »Kuschim«; das könnte allerdings auch ein Beamtentitel sein.

Der »älteste Beschwerdebrief« der Menschheit, ausgestellt im British Museum, erlangte über Reddit Bekanntheit im Internet und bescherte Ea-nasir in den zehner Jahren späten Nachruhm als Social-Media-Meme.

In diesem Fall wären die frühesten bekannten Personen ein Sumerer namens Gal-Sal und seine Sklav:innen En-pap X und Sukkalgir aus dem 32. Jahrhundert v. Chr., wobei Letztere jedenfalls unstrittig die erste Frau ist, deren Existenz namentlich schriftlich bezeugt ist.

Deutlich berühmter – und berüchtigter – als diese Leute ist allerdings der rund 1.400 Jahre später lebende Händler Ea-nasir. Auf einer an diesen adressierten Keilschrifttafel beklagt sich ein Kunde über die mangelhafte Qualität des bei ihm erworbenen Kupfers. Der »älteste Beschwerdebrief« der Menschheit, ausgestellt im British Museum, erlangte über Reddit Bekanntheit im Internet und bescherte Ea-nasir in den zehner Jahren späten Nachruhm als Social-Media-Meme und einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde.

Auf der anderen Seite des Atlantiks wurde die Schrift etwas später erfunden, somit sind auch die aus dem präkolumbischem Amerika überlieferten Namen jüngeren Datums. Den Rekord hält hier der Herrscher Yax Ehb Xook (»Erste Stufe Haifisch«) aus dem Maya-Stadtstaat Tikal im heutigen Guatemala, dessen Namensglyphe erstmals ca. 90 n. Chr. auftaucht.

Zuletzt machte ein Mathe-Genie Schlagzeilen, das etwa 800 Jahre später in derselben Region lebte. Archäolog:innen entzifferten kürzlich an der Ausgrabungsstätte Xultún eine Wandinschrift mit Berechnungen zur Umlaufzeit verschiedener Planeten, mit dem 260tägigen Maya-Ritualkalender verknüpft zu einer einzigen Formel. Eine Denkleistung, die der Urheber entsprechend stolz unterzeichnete: »So spricht Sak Tahn Waax.« Das bedeutet »Fuchs mit weißer Brust« und ist nunmehr der älteste überlieferte Name eines Wissenschaftlers aus der Neuen Welt – aus einer Zeit, als in Europa noch die unhandliche römische Zahlschrift verwendet wurde, mit der solch komplizierte Mathematik kaum möglich gewesen wäre.