Jungle+ Artikel 06.08.2026
Der AfD-Wähler: eine Mentalitätskritik

Die Sehnsucht des Wählers nach dem Untergang

Mit Adorno, Hannah Arendt und Wolfgang Pohrt den Autoritarismus der Deutschen verstehen: Warum AfD-Wähler keine politischen Lösungen, sondern die Zerstörung des Systems anstreben – selbst um den Preis des eigenen Ruins.

In dem Buch »Der Weg zur inneren Einheit. Elemente des Massenbewußtseins 1990« hat Wolfgang Pohrt längere Interviews mit drei Personen versammelt, die exemplarisch deutsche Charaktere aufzeigen, die auf unterschiedliche Weise Anspruch auf Unzurechnungsfähigkeit er­heben können. Herr A., der für die rechtsextremen Republikaner ins Parlament gewählt wurde, war promovierter Ingenieur, der bei einer großen Firma arbeitete und in einer teuren Gegend wohnte. Pohrt charakterisiert ihn als Psychotiker, der »nicht alle drei Monate einen großen Schub bekommt, sondern in 20 Minuten vier kleine. Wahnhaftes und normales Denken sind bei ihm unauflöslich miteinander vermischt, und als grundlos kann man seine Sorge um die eigene Identität daher nicht bezeichnen.« Herr A. machte sich Sorgen, dass Ausländer den deutschen Volkskörper infizieren könnten. Originalton: »Im Grunde genommen ist, je fremdländischer jemand aussieht, desto stärker die Chance, dass im anderen Menschen sich eine Abwehrhaltung aufbaut. Nämlich letzten Endes der Ausländer, der aussieht wie wir, der verschwimmt, den können Sie gar nicht als Ausländer identifizieren. Man hat dann gar nicht die Allergie, die sich sonst ausbildet. Allergie richtet sich gegen Fremdstoffe.«

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