Hybride Kriegerin
Ein ungewöhnliches Asyl hat ein Ende gefunden: Das französische Innenministerium ordnete am Mittwoch vergangene Woche die unverzügliche Ausweisung der russischen Journalistin Xenia Fedorova an. Die französische Regierung wirft der ehemaligen Leiterin von Russia Today France, die eigentlich Ksenia Borchik heißt, Verbreitung von Desinformation vor, und stufte dies als »eine besonders schwerwiegende und akute Gefahr für die öffentliche Ordnung« ein. Die Entscheidung hat einen Entzug ihrer Aufenthaltserlaubnis und ein Arbeitsverbot zur Folge.
Fedorova selbst sieht sich als Vertreterin von »alternativen« Sichtweisen. So bezeichnete sie den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine als »Spezialoperation« und die russische Annexion der Krim als »Wiedervereinigung«
Nachdem Fedorova beim staatlichen Auslandsfernsehsender Russia Today (RT) und später in Berlin für die gleichfalls staatliche russische Nachrichtenagentur Ruptly gearbeitet hatte, kam sie 2017 nach Frankreich und gründete RT France. Der gesamte Sender wurde kurz nach Beginn der russischen Vollinvasion der Ukraine 2022 von der EU sanktioniert und verboten, die Schließung des französischen Ablegers erfolgte im Januar 2023. Zuflucht in Form einer Aufenthaltsgenehmigung fand Fedorova daraufhin in der »bollosphère«, einem Konglomerat von Medien unter der Schirmherrschaft des rechtskatholischen Milliardärs Vincent Bolloré. Dort ist sie regelmäßig im Nachrichtensender CNews, dem Radioprogramm »Europe 1«, oder der Sonntagszeitung Journal du dimanche mit Beiträgen vertreten – alles Formate, die als rechtskonservativ bis rechtsextrem gelten.
Fedorova selbst sieht sich als Vertreterin von »alternativen« Sichtweisen. So bezeichnete sie den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine als »Spezialoperation« und die russische Annexion der Krim als »Wiedervereinigung«. Das sind Sprachregelungen, wie sie auch in Erklärungen der russischen Regierung zu finden sind, für die sie zuvor arbeitete.
Fedorovas Anwalt kündigte bereits rechtliche Schritte gegen den Ausweisungsbescheid an. Bis dahin steht die 45jährige unter Hausarrest. Immerhin kann sie auf die Unterstützung ihrer Arbeitgeber bauen. Mit Verweis auf den Pluralismus und die Meinungsfreiheit verteidigten Canal plus und die Lagardère-Gruppe, die zu Bollorés Medienimperium gehören, ihre Angestellte gegen die Vorwürfe.