Jungle+ Artikel 13.08.2026
Kandidatin der Linkspartei in Berlin

Ein Phoenix für Berlin

Die Linkspartei kann sich Hoffnungen machen, bei der Abgeordneten­hauswahl in Berlin stärkste Kraft zu werden. Darin zeigt sich der Wandel zur erfolgreichen jungen Akademikerpartei beispielhaft; an der Regierung könnten die eigenen Ansprüche aber an kapitalistischen Sachzwängen scheitern – wie schon vor 25 Jahren.

Die Linkspartei hat in den vergangenen Jahren eine erstaunliche Renaissance erfahren. Bei der Bundestagswahl 2021 wäre die Partei ohne ihre drei Direktmandate an der Fünfprozenthürde gescheitert, der Konflikt mit der Gruppe um Sahra Wagenknecht stellte sie vor eine Zerreißprobe, und sie verlor in großer Zahl Mitglieder und Wäh­ler:in­nen, nicht zuletzt altersbedingt. Erst nach dem Abgang des Wagenknecht-Flügels folgte der überraschende Aufstieg. Die Linkspartei zog 2025 wieder in den Bundestag ein, heute haben führende Po­liti­ker:in­nen der Partei eine enorme Reichweite in den sozialen wie auch den traditionellen Medien und die Mitgliederschaft wuchs in kurzer Zeit aufs Doppelte an und verjüngte sich dabei deutlich.

Nun scheint ein weiterer Erfolg in Reichweite zu liegen. Am 20. September wird in Berlin das Abgeordnetenhaus, das Berliner Landesparlament, gewählt. In jüngsten Umfragen liegt die Linkspartei auf dem ersten Platz vor CDU und AfD, eine Regierungsbildung zusammen mit Grünen und SPD wäre möglich. Sollte es so kommen, würde die Linkspartei nach Bodo Ramelow in Thüringen zum zweiten Mal eine ­Landesregierung leiten.

Dass es in der Linkspartei möglich ist, entsprechende Positionen ohne jahrzehntelange Ochsentour einzunehmen, dürfte daran liegen, dass sie kaum noch über erfahrenes Personal verfügt.

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